Einleitung: Energie aus der Wand – die neue Generation der Solararchitektur
Wenn man an Photovoltaikanlagen denkt, kommen den meisten Menschen zuerst Hausdächer, Freiflächen oder Carports in den Sinn. Doch die Energiewende geht längst weiter – nämlich an die Gebäudewände.
Mit der Fassaden-Photovoltaik (auch Fassadenanlage genannt) wird die Hauswand selbst zur Stromquelle. Diese innovative Technik verwandelt ungenutzte Fassadenflächen in aktive Energieproduzenten und macht Gebäude effizienter, nachhaltiger und oft auch ästhetisch moderner.
Was früher als architektonische Vision galt, wird heute Realität: Immer mehr Wohnhäuser, Bürogebäude und Industriehallen nutzen vertikal installierte Solarmodule, um auch dann Strom zu erzeugen, wenn das Dach nicht geeignet ist oder zusätzliche Flächen benötigt werden.
In diesem umfassenden Leitfaden erfährst du alles über die Planung, Technik, Wirtschaftlichkeit und Vorteile von Fassadenanlagen, welche Besonderheiten sie von klassischen Dachanlagen unterscheiden – und warum sie in Zukunft eine Schlüsselrolle für die solare Stromproduktion spielen werden.
1. Was ist eine Fassadenanlage?
Eine Fassadenanlage ist eine Photovoltaikanlage, die nicht auf dem Dach, sondern an der Außenwand eines Gebäudes installiert wird. Die Module werden dabei vertikal oder leicht geneigt montiert und fangen die Sonnenstrahlung über den Tag verteilt auf – insbesondere bei tief stehender Wintersonne.
Diese Form der gebäudeintegrierten Photovoltaik (BIPV) verbindet Energiegewinnung mit architektonischem Design: Die Module können als Verkleidungselement dienen, Teil der Wärmedämmung sein oder komplett in die Gebäudehülle integriert werden.
Arten der Fassaden-PV:
- Aufgesetzte PV-Fassaden
– Module werden nachträglich auf die Wand montiert (z. B. mit Montageschienen). - Integrierte PV-Fassaden (BIPV)
– Module ersetzen klassische Fassadenelemente wie Glas oder Paneele. - Teiltransparente PV-Elemente
– Besonders für Bürogebäude mit Glasfassaden geeignet.
💡 Fakt:
Vertikal installierte Solarmodule produzieren zwar etwas weniger Strom als Dachmodule, liefern aber höhere Erträge im Winterhalbjahr und profitieren stärker von reflektiertem Licht (Albedo-Effekt).
2. Warum Fassadenanlagen immer beliebter werden
Der Bedarf an erneuerbarer Energie wächst – gleichzeitig stoßen klassische Dachflächen oft an ihre Grenzen. Gerade in Städten sind Dachflächen klein oder verschattet, während große Fassaden ungenutzt bleiben.
Vorteile auf einen Blick:
✅ Nutzung von ungenutzten Flächen
✅ Zusätzliche Stromproduktion bei bestehenden PV-Anlagen
✅ Ideal für Gebäude ohne geeignetes Dach
✅ Gute Wintererträge durch tiefstehende Sonne
✅ Keine Schneebedeckung im Winter
✅ Zusätzliche Dämmwirkung durch Module
✅ Verbesserung der Energieeffizienzklasse eines Gebäudes
💡 Besonders sinnvoll:
Für Hochhäuser, Industriehallen, Bürogebäude, Schulen, landwirtschaftliche Gebäude oder Passivhäuser – überall dort, wo die Wand große Fläche und gute Ausrichtung bietet.
3. Technischer Aufbau einer Fassadenanlage
Fassadenanlagen ähneln technisch klassischen PV-Systemen, erfordern aber spezielle Montagestrukturen und Modultechnologien.
Komponenten im Überblick:
- Solarmodule: Glas-Glas- oder Glas-Folie-Module, teils in Sonderformaten.
- Montagesystem: Aluminiumprofile oder Edelstahlhalterungen, angepasst an die Fassade.
- Wechselrichter: Wandelt Gleichstrom in Wechselstrom.
- Verkabelung: Wetterfest, UV-beständig, oft hinter der Fassade verborgen.
- Unterkonstruktion: Für ausreichende Hinterlüftung und sichere Verankerung.
💡 Hinweis:
Bei integrierten Fassadenanlagen übernimmt das PV-Modul zusätzlich die Funktion der äußeren Gebäudehülle – es schützt also auch vor Witterung.
4. Ertragsunterschiede: Dach-PV vs. Fassaden-PV
Ein häufiger Irrtum ist, dass Fassadenanlagen ineffizient seien. Tatsächlich hängt der Ertrag stark von der Ausrichtung, dem Standort und dem Modultyp ab.
| Ausrichtung | Ertrag im Vergleich zur optimalen Dachanlage (Süd, 30°) |
|---|---|
| Vertikal Süd | 70–80 % |
| Südost / Südwest | 60–70 % |
| Ost / West | 50–65 % |
| Nord | < 40 % (nur Spezialfälle) |
💡 Besonderheit:
Während Dachanlagen im Sommer Höchstleistungen erzielen, liefern Fassadenanlagen im Winter oft stabile Erträge, wenn die Sonne tief steht und direkt auf die Wand trifft.
5. Wirtschaftlichkeit: Lohnt sich eine Fassadenanlage?
Die Wirtschaftlichkeit hängt von Bauweise, Standort und Nutzung ab. Zwar sind die Investitionskosten etwas höher als bei Dachanlagen, doch die laufenden Betriebskosten sind gering, und der Stromverbrauch vor Ort erhöht die Rentabilität deutlich.
Kostenübersicht (Stand 2025):
| Komponente | Kostenbereich |
|---|---|
| Module & Montage | 1.400–2.000 €/kWp |
| Wechselrichter & Elektrik | 300–600 €/kWp |
| Planung & Statik | 200–400 €/kWp |
| Gesamt | 1.800–2.500 €/kWp |
Erträge:
- Stromproduktion: ca. 700–950 kWh/kWp pro Jahr
- Lebensdauer: 25–30 Jahre
- Wartungsaufwand: minimal
💡 Amortisation:
Je nach Strompreis, Förderung und Eigenverbrauch beträgt die Amortisationszeit 8–12 Jahre.
Besonders attraktiv wird die Anlage, wenn sie mit Wärmepumpe, Speicher oder E-Auto kombiniert wird – dadurch steigt der Eigenverbrauch deutlich.
6. Planung einer Fassadenanlage – Schritt für Schritt
Eine sorgfältige Planung ist entscheidend, da Fassadenanlagen baulich komplexer sind als Dachanlagen.
Schritt 1: Standortanalyse
- Fassadenorientierung (Süd, Ost, West)
- Verschattung (Bäume, Nachbargebäude)
- Statik der Wand
- Fassadenmaterial (Beton, Ziegel, Metall, Glas)
Schritt 2: Auswahl der Technik
- Modultypen: Glas-Glas, teiltransparent oder Standard.
- Montagesystem: Aufdachrahmen, Integrierte Lösung oder Sonderkonstruktion.
- Wechselrichter & Speicher: Passend zur Anlagengröße wählen.
Schritt 3: Design und Integration
- Architektonische Integration wichtig (z. B. Modulfarbe, Größe).
- Kabelverläufe und Wartungspunkte frühzeitig planen.
Schritt 4: Genehmigung & Förderprüfung
- Je nach Bundesland evtl. Baugenehmigung nötig.
- Eintrag im Marktstammdatenregister obligatorisch.
💡 Tipp:
Eine enge Abstimmung zwischen PV-Planer, Statiker und Architekt ist entscheidend – besonders bei Gebäuden mit Glasfassaden oder Denkmalschutzauflagen.
7. Besonderheiten bei der Montage
Die Montage von PV-Fassaden erfordert spezielle Fachkenntnisse:
Montagearten:
- Vorgehängte, hinterlüftete Fassade:
– Module auf Trägerschienen mit Luftspalt montiert → beste Kühlung. - Integrierte Fassade:
– Module ersetzen Fassadenelemente → ästhetisch, aber aufwendiger. - Aufgeklebte Module (neue Technik):
– Dünnschichtmodule direkt auf Metall- oder Glasflächen verklebt.
Montagevoraussetzungen:
- Fassade muss ausreichend tragfähig sein.
- Modulwinkel 80–90°, ideal für Südorientierung.
- Hinterlüftung zur Wärmeableitung nötig.
💡 Praxisbeispiel:
Bei Bürogebäuden mit großen Glasflächen lassen sich halbtransparente Module als Sonnenschutz und Energiequelle zugleich einsetzen.
8. Optik und Architektur – Design trifft Energie
Ein großer Vorteil der Fassaden-PV liegt in der architektonischen Gestaltungsmöglichkeit. Moderne Solarmodule sind in verschiedenen Farben, Strukturen und Transparenzgraden erhältlich.
Mögliche Designvarianten:
- Schwarze oder farbige Module
- Matt- oder Glanzoberflächen
- Gläser mit Muster oder Teiltransparenz
- Integration in Glasfassaden oder Metallpaneele
💡 Trend:
Architekten nutzen Fassadenanlagen zunehmend als gestalterisches Element – Energieproduktion und Design verschmelzen zu einer modernen Gebäudearchitektur.
9. Technische Innovationen in der Fassaden-PV
Die Technologie entwickelt sich rasant weiter.
Aktuelle Trends:
- Bifaziale Module: Nutzen Licht von beiden Seiten (auch reflektiertes Licht vom Boden).
- Dünnschicht-Photovoltaik: Leicht, flexibel und ideal für gekrümmte Fassaden.
- Solare Glasfassaden: Integrierte Solarzellen in Fensterglas, teiltransparent.
- PV-Verbundsysteme: Kombination aus Stromerzeugung und Wärmedämmung.
💡 Ausblick:
Zukünftige Gebäude werden vollständig „energieaktiv“ sein – jede Wand, jedes Fenster und jedes Dach trägt zur Energieproduktion bei.
10. Rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen
Genehmigungspflicht
Fassadenanlagen sind in den meisten Fällen genehmigungsfrei, sofern:
- keine baulichen Veränderungen der Gebäudestruktur erfolgen,
- die Statik ausreichend ist,
- und keine Denkmalschutzauflagen bestehen.
Anmeldung & Netzanschluss
- Registrierung im Marktstammdatenregister erforderlich.
- Anschluss über zertifizierten Elektrofachbetrieb.
Steuerliche Vorteile:
- 0 % Umsatzsteuer auf Anschaffung und Installation (bis 30 kWp).
- Einkommensteuerbefreiung nach §3 Nr.72 EStG.
- Abschreibungsmöglichkeit bei gewerblicher Nutzung.
💡 Tipp:
Auch Fassadenanlagen zählen vollwertig zu Photovoltaikanlagen – du profitierst von denselben steuerlichen Erleichterungen wie bei Dachanlagen.
11. Wirtschaftliche Nutzungskonzepte
Eigenverbrauch
- Ideal für Wohn- oder Bürogebäude.
- Kombination mit Speicher steigert Autarkiegrad.
Volleinspeisung
- Lohnenswert bei großflächigen Fassaden (z. B. Industrie).
- Einnahmen über EEG-Vergütung.
Hybridkonzepte
- Kombination aus Dach- und Fassaden-PV für maximale Flächenausnutzung.
- Gleichmäßigere Stromproduktion über das Jahr hinweg.
💡 Beispiel:
Ein Bürogebäude mit 20 kWp Dachanlage und 10 kWp Fassadenanlage erreicht 15–20 % mehr Jahresertrag, verteilt über alle Jahreszeiten.
12. Wartung und Betrieb
Wartung:
- Einmal jährlich Sichtkontrolle auf Schäden.
- Reinigung nur bei starker Verschmutzung notwendig (z. B. Straßenseite).
- Regelmäßige elektrische Prüfung (alle 4 Jahre empfohlen).
Vorteile im Betrieb:
- Keine Schneeprobleme.
- Geringere Verschmutzung als Dachmodule.
- Längere Lebensdauer durch bessere Kühlung.
💡 Monitoring-Systeme ermöglichen eine kontinuierliche Leistungskontrolle und frühzeitige Fehlererkennung.
13. Praxisbeispiele für Fassadenanlagen
Beispiel 1: Mehrfamilienhaus in München
- Südwand mit 40 m² PV-Modulen.
- Leistung: 6 kWp.
- Eigenverbrauch: 80 %.
➡ Stromersparnis: 1.800 € pro Jahr, Amortisation in 8 Jahren.
Beispiel 2: Bürogebäude mit Glasfassade
- 200 m² teiltransparente Glasmodule.
- Stromproduktion: 20.000 kWh/Jahr.
- Reduziert zusätzlich Kühlenergiebedarf durch Sonnenschutz.
Beispiel 3: Landwirtschaftliche Halle
- Westfassade mit 15 kWp PV.
- Einspeisung vollständig ins Netz.
➡ Einnahmen: 1.200 € jährlich, Lebensdauer > 25 Jahre.
14. Kombination mit Dachanlagen und Speichern
Die Kombination von Fassaden- und Dach-PV ist besonders effizient:
- Dachmodule liefern Sommerstrom (Mittagsspitzen).
- Fassadenmodule liefern Winterstrom (Vormittag & Nachmittag).
- Speicher glättet Tagesverlauf → mehr Eigenverbrauch.
💡 Ergebnis:
Ganzjährige Stromproduktion und höhere Wirtschaftlichkeit – optimal für Haushalte, Gewerbe und öffentliche Einrichtungen.
15. Zukunftsausblick: Gebäude als aktive Energiezellen
Mit dem Konzept der gebäudeintegrierten Photovoltaik (BIPV) werden Gebäude selbst zu Energieproduzenten.
Statt nur Stromverbraucher zu sein, liefern sie Energie für Heizung, Mobilität und Beleuchtung.
Trends der nächsten Jahre:
- PV in Glasfassaden, Fenster und Balkonverkleidungen integriert.
- Kombination mit Wärmepumpen und Smart-Home-Systemen.
- Nutzung in Sanierungsprojekten zur Verbesserung der Energieeffizienzklasse.
- Verpflichtung zur Solar-Nutzung auf öffentlichen Gebäuden.
💡 Vision:
Jede Gebäudeoberfläche wird zur Energiequelle – Dach, Wand, Fenster und Balkon.
16. Fazit: Fassadenanlagen – wenn Architektur und Energie verschmelzen
Die Fassaden-Photovoltaik ist kein Zukunftsthema mehr, sondern ein entscheidender Baustein der modernen Energiearchitektur.
Sie verwandelt bislang ungenutzte Flächen in wertvolle Energiequellen und bietet neue gestalterische Freiheiten für Architekten und Bauherren.
Zusammenfassung:
- Fassadenanlagen nutzen Sonnenenergie dort, wo Dächer an ihre Grenzen stoßen.
- Sie sind technisch ausgereift, wartungsarm und ästhetisch vielseitig.
- Besonders sinnvoll für Gebäude mit Südfassade, wenig Dachfläche oder hohen Energiebedarf.
- In Kombination mit Dach-PV und Speicher entsteht ein ganzheitliches Energiekonzept.
💡 Fazit in einem Satz:
Mit der richtigen Planung wird die Hauswand selbst zum Kraftwerk – und macht die Fassadenanlage zur perfekten Verbindung von Architektur, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.
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