Wärmepumpe bei Stromausfall im Winter: Was passiert und was hilft
Eine Wärmepumpe stoppt bei Stromausfall sofort, weil Verdichter, Umwälzpumpe und Regelung Netzstrom brauchen. Für die üblichen kurzen Ausfälle reicht die gespeicherte Wärme im Gebäude: Laut Bundesnetzagentur fehlte der Strom 2024 im Schnitt nur 11,7 Minuten je Verbraucher (Stand 10/2025). Kritisch werden Ausfälle über mehrere Stunden bei Frost.
Eine Wärmepumpe läuft ohne Netzstrom nicht, auch nicht mit einer normalen PV-Anlage. Ein mittelschweres Einfamilienhaus mit 150 m² verliert in unserer Modellrechnung bei 0 °C Außentemperatur rund 0,6 Grad pro Stunde und liegt nach 12 Stunden bei etwa 14 °C. Ein Batteriespeicher mit 10 kWh hält die Wärmepumpe bei 0 °C rund 6 Stunden in Betrieb, aber nur mit dreiphasigem Ersatzstrom. Ein Notstromaggregat braucht ebenfalls 400 V und einen Netzumschalter vom Elektrofachbetrieb.
Welche Probleme hat eine Wärmepumpe bei Stromausfall?
Eine Wärmepumpe fällt bei Stromausfall komplett aus: Verdichter, Ventilator, Umwälzpumpe, Regelung und Heizstab stehen still. Der Heizkreis kühlt danach langsam ab. Das eigentliche Risiko im Winter ist Frost an wasserführenden Teilen im Freien, nicht ein Schaden am Verdichter.
Ein Verdichter ist der elektrisch angetriebene Kompressor, der Kältemittel verdichtet und so Wärme auf ein höheres Temperaturniveau hebt. Die Wärme in Pufferspeicher, Estrich und Wänden bleibt erhalten, wird aber nicht nachgeliefert. Im Winter treten 4 Probleme auf:
| Problem | Ursache | Kritisch ab |
|---|---|---|
| Räume kühlen aus | Keine Wärmezufuhr mehr | mehreren Stunden Ausfall |
| Frostgefahr im Außengerät | Monoblock-Gerät führt Heizwasser nach draußen | Außentemperatur unter 0 °C |
| Frostgefahr in Leitungen | Stehendes Wasser in unbeheizten Räumen | Raumtemperatur unter 0 °C |
| Störmeldung beim Neustart | Druckwächter, Uhrzeit oder Programme verloren | Rückkehr des Stroms |
Eine Monoblock-Wärmepumpe ist eine Bauform, bei der der gesamte Kältekreis im Außengerät sitzt und Heizwasser durch die Außenwand läuft. Bei einer Split-Wärmepumpe fließt dagegen nur Kältemittel nach draußen. Die Monoblock-Bauform ist bei langem Frost-Stromausfall empfindlicher, weil das Wasser im Außengerät stillsteht.
Wie schnell kühlt das Haus ohne Heizung aus?
Ein mittelschweres Einfamilienhaus kühlt ohne Heizung bei 0 °C Außentemperatur um rund 0,6 Grad pro Stunde ab und liegt nach 24 Stunden bei etwa 10 °C. Gut gedämmte Häuser und massive Bauweise verlangsamen die Auskühlung deutlich, leichte und ungedämmte Gebäude beschleunigen sie.
Die Werte stammen aus einer eigenen Modellrechnung. Annahmen: 150 m² Wohnfläche, Heizlast 6 kW bei −10 °C außen und 20 °C innen, mittelschwere Bauweise. Die DIN EN ISO 13790 setzt für mittelschwere Gebäude eine wirksame Wärmekapazität von 165.000 J/(m²·K) an.
Der Rechenweg in 3 Schritten:
- Wärmeverlust je Grad: 6.000 W ÷ 30 K = 200 W/K.
- Wärmespeicher des Hauses: 150 m² × 165.000 J/(m²·K) = 24,75 MJ/K, das entspricht 6,9 kWh je Grad.
- Zeitkonstante: 24.750.000 J/K ÷ 200 W/K = 123.750 Sekunden, also rund 34 Stunden.
Die Raumtemperatur nähert sich danach exponentiell der Außentemperatur an:
| Dauer ohne Heizung | Raumtemperatur bei 0 °C außen | Raumtemperatur bei −10 °C außen |
|---|---|---|
| 1 Stunde | 19,4 °C | 19,1 °C |
| 4 Stunden | 17,8 °C | 16,7 °C |
| 12 Stunden | 14,1 °C | 11,2 °C |
| 24 Stunden | 9,9 °C | 4,9 °C |
| 48 Stunden | 4,9 °C | −2,6 °C |
Das Modell lässt Sonne, Körperwärme und Pufferspeicher weg, echte Häuser kühlen also etwas langsamer aus. Das Berliner Katastrophenschutzportal empfiehlt, sich in einem Raum aufzuhalten und dessen Türen geschlossen zu halten, damit die Wärme nicht entweicht (Stand 03/2026).
Ein Stromausfall von 11,7 Minuten, dem Bundesdurchschnitt 2024, kostet in diesem Modell weniger als 0,2 Grad. Ein Ausfall von 4 Stunden kostet gut 2 Grad. Erst ab etwa 12 Stunden bei Frost wird es unangenehm, nach 48 Stunden bei −10 °C fällt im Modell selbst der Wohnraum unter 0 °C. Der typische Fehler ist fehlende Planung für den seltenen langen Ausfall: Wer nicht weiß, ob das Außengerät entleert werden muss, verliert im Ernstfall Zeit.
Kann ein Batteriespeicher die Wärmepumpe versorgen?
Ein Batteriespeicher versorgt eine Wärmepumpe nur dann, wenn das Speichersystem echten Ersatzstrom für das ganze Haus liefert und dreiphasig mit 400 V arbeitet. Eine einphasige Notstromsteckdose reicht für Licht und Router, nicht für den Verdichter einer typischen Luft-Wasser-Wärmepumpe.
Ersatzstrom ist eine Betriebsart, bei der ein Hybrid-Wechselrichter das Haus nach automatischer Netztrennung aus Batterie und PV-Modulen versorgt. Die Normspannung beträgt nach DIN EN 60038 230 V je Phase und 400 V zwischen den Phasen. Wärmepumpen mit dreiphasigem Verdichter brauchen alle 3 Phasen gleichzeitig. Die Unterschiede zwischen den Systemen erklärt der Beitrag Stromspeicher und Wärmepumpe: Wie Batteriespeicher die Effizienz steigern.
Die Laufzeit hängt von Heizlast und Leistungszahl ab. Unsere Rechnung für das Beispielhaus mit angenommenen Leistungszahlen und 10 kWh Speicher, davon 90 % nutzbar:
| Außentemperatur | Wärmebedarf | Angenommene Leistungszahl | Strombedarf inkl. 0,1 kW Pumpe und Regelung | Laufzeit mit 9 kWh nutzbarer Kapazität |
|---|---|---|---|---|
| 0 °C | 200 W/K × 20 K = 4,0 kW | 3,0 | 1,43 kW | rund 6,3 Stunden |
| −10 °C | 200 W/K × 30 K = 6,0 kW | 2,5 | 2,50 kW | rund 3,6 Stunden |
Die PV-Anlage liefert an Wintertagen wenig nach. Der Beitrag Wärmepumpe im Winter mit Solarstrom – was ist realistisch? ordnet die Winter-Erträge ein. Wie sich Brenner und Pumpe einer klassischen Heizung über eine Batterie absichern lassen, zeigt Notstrom für Heizung mit Batterie: Brenner und Pumpe versorgen.
Reicht ein Notstromaggregat für die Wärmepumpe?
Ein Notstromaggregat reicht für die Wärmepumpe, wenn es dreiphasig 400 V liefert, die volle Leistungsaufnahme samt Anlaufstrom abdeckt und über einen Netzumschalter angeschlossen ist. Kleine einphasige Inverter-Aggregate für Camping scheiden für dreiphasige Wärmepumpen aus.
Der Anlaufstrom ist der kurzzeitig erhöhte Strom, den ein Motor beim Start zieht. Verdichter ohne Sanftanlauf ziehen beim Start ein Mehrfaches ihres Nennstroms. Inverter-Wärmepumpen fahren den Verdichter langsam hoch und belasten das Aggregat weniger. Den genauen Wert nennt das Datenblatt der Wärmepumpe als maximale Leistungsaufnahme oder Anlaufstrom.
Ein dreiphasiges Aggregat verteilt seine Leistung auf 3 Phasen. Ein Gerät mit 6 kVA liefert also rund 2 kVA je Phase. Im Beispielhaus braucht die Wärmepumpe bei −10 °C rund 2,4 kW elektrisch, also rund 0,8 kW je Phase. Einphasige Verbraucher wie Umwälzpumpe, Kühlschrank und Licht kommen auf ihrer jeweiligen Phase hinzu. Der Heizstab der Wärmepumpe bleibt im Aggregatbetrieb gesperrt, weil er allein mehrere Kilowatt zieht.
Ein Aggregat lädt auf Wunsch auch den Speicher nach, siehe Stromspeicher mit Notstromaggregat laden: So funktioniert es technisch.
- LEISTUNGSSTARK: Das EBERTH Notstromaggregat wird durch einen 13 PS / 9,56 kW starken, luftgekühlten, 1 Zyli…
- 3-PHASEN GENERATOR: Der Stromerzeuger leistet maximal 5500 Watt und hat eine Dauerleistung von 5000 Watt, d…
- AUSDAUERND: Das Stromaggregat verfügt über einen 25 Liter Kraftstofftank und kann mit Super oder Super Plus…
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Ein Notstromaggregat darf nur über einen Netzumschalter in das Hausnetz einspeisen, den eine Elektrofachkraft installiert. Ohne allpolige Trennung vom öffentlichen Netz gelangt Spannung zurück in die Leitung und gefährdet Monteure des Netzbetreibers. Das Anschließen per Stecker an eine Steckdose ist lebensgefährlich. Verbrennungsmotoren erzeugen Kohlenmonoxid: Aggregate laufen nur im Freien, mit Abstand zu Fenstern und Lüftungsöffnungen. Das Entleeren eines Monoblock-Außengeräts übernimmt der Heizungsfachbetrieb.
Was passiert beim Neustart nach dem Stromausfall?
Die Wärmepumpe startet nach dem Stromausfall in der Regel selbstständig neu, sobald die Regelung hochgefahren ist und die Einschaltverzögerung des Verdichters abgelaufen ist. Störmeldungen, falsche Uhrzeit oder verlorene Zeitprogramme erfordern danach einen kurzen Kontrollgang.
Die Einschaltverzögerung ist eine Schutzfunktion der Regelung, die den Verdichter nach Spannungswiederkehr für eine festgelegte Wartezeit sperrt. Sie schützt den Verdichter vor Druckstößen im Kältekreis. Nach langen Frost-Ausfällen läuft die Wärmepumpe anschließend längere Zeit mit hoher Leistung, bis Puffer und Estrich wieder warm sind.
Der geordnete Neustart folgt 4 Schritten:
- Netzumschalter zurück auf Netzbetrieb stellen und das Aggregat abschalten.
- Display der Wärmepumpe auf Störmeldungen prüfen und Meldungen nach Bedienungsanleitung quittieren.
- Uhrzeit und Zeitprogramme der Regelung kontrollieren.
- Heizkreise nach 1 bis 2 Stunden auf warme Vorlaufleitungen prüfen und bei bleibender Störung den Fachbetrieb rufen.
Wie bereiten Sie die Wärmepumpe vor dem Winter auf einen Stromausfall vor?
Die Vorbereitung gelingt mit dem 4-Punkte-Wintercheck, der Ersatzstrom, Leistungsdaten, Frostschutz und Neustart vor dem ersten Frost klärt. Der 4-Punkte-Wintercheck dauert einen Nachmittag und erspart im Ernstfall die Suche nach Datenblättern im Dunkeln:
- Ersatzstrom klären: Liefert der Speicher dreiphasigen Ersatzstrom oder nur eine Notstromsteckdose?
- Leistungsdaten notieren: Maximale Leistungsaufnahme und Anlaufstrom der Wärmepumpe aus dem Datenblatt abschreiben.
- Frostschutz regeln: Mit dem Fachbetrieb festlegen, ob das Außengerät Frostschutzventile hat oder bei langem Ausfall entleert wird.
- Neustart-Ablauf ausdrucken: Die 4 Neustart-Schritte neben die Regelung hängen.
Die übergeordnete Planung für Blackout-Fälle mit Solarstrom beschreibt Blackout Vorsorge mit Photovoltaik als Schlüssel zur Energieautarkie. Alternativen für Warmwasser und Heizung im Ernstfall vergleicht Effiziente Notstromlösungen für Heizung und Warmwasser im Blackout-Fall.
💬 Unsere Einschätzung
Die verbreitete Sorge, eine Wärmepumpe mache ein Haus im Blackout schutzlos, hält den Daten nicht stand. Die Bundesnetzagentur meldet für 2024 durchschnittlich 11,7 Minuten Unterbrechung je Verbraucher (Stand 10/2025). Gas- und Ölheizungen fallen bei Stromausfall ebenfalls aus. Der Unterschied liegt in der Leistung: Eine Gasheizung braucht nur Strom für Zündung, Regelung und Pumpe, eine Wärmepumpe im Beispielhaus bis zu 2,5 kW. Für einen Haushalt ohne dreiphasigen Ersatzstrom bringt der 4-Punkte-Wintercheck mehr Sicherheit als ein großer Speicher: Frostschutz und geordneter Neustart kosten wenig und decken das eigentliche Risiko ab.
- Eine Wärmepumpe stoppt bei Stromausfall vollständig, auch bei vorhandener PV-Anlage ohne Ersatzstrom.
- Im Modellhaus sinkt die Raumtemperatur bei 0 °C außen in 12 Stunden auf rund 14 °C.
- Ein 10-kWh-Speicher trägt die Wärmepumpe bei 0 °C rund 6 Stunden, bei −10 °C rund 3,6 Stunden.
- Aggregate brauchen 400 V, ausreichende Leistung je Phase und einen Netzumschalter vom Elektrofachbetrieb.
- Monoblock-Außengeräte sind bei langem Frost-Ausfall das größte Risiko.
- Der 4-Punkte-Wintercheck klärt Ersatzstrom, Leistungsdaten, Frostschutz und Neustart vor dem Winter.
Häufige Fragen zur Wärmepumpe bei Stromausfall im Winter
Läuft die Wärmepumpe mit der PV-Anlage weiter, wenn der Strom ausfällt?
Eine netzgekoppelte PV-Anlage schaltet bei Stromausfall ab, weil der Netz- und Anlagenschutz nach VDE-AR-N 4105 den Wechselrichter vom Netz trennt. Die Wärmepumpe bekommt deshalb auch bei Sonnenschein keinen Strom. Nur ein Hybrid-Wechselrichter mit Ersatzstromfunktion versorgt das Haus im Inselbetrieb weiter.
Schadet ein kurzer Stromausfall der Wärmepumpe?
Ein kurzer Stromausfall schadet der Wärmepumpe nicht, weil die Regelung den Verdichter nach Spannungswiederkehr verzögert startet. Spannungsspitzen bei der Rückkehr des Netzes fängt ein Überspannungsschutz im Zählerschrank ab. Ob ein solcher Schutz vorhanden ist, prüft der Elektrofachbetrieb.
Darf der Heizstab im Notstrombetrieb laufen?
Der Heizstab bleibt im Notstrombetrieb besser gesperrt. Ein Heizstab wandelt Strom eins zu eins in Wärme um und braucht damit rund das Zwei- bis Dreifache der Wärmepumpe für dieselbe Wärmemenge. Ein Speicher oder Aggregat ist dadurch deutlich schneller erschöpft.
Hilft ein Kaminofen bei einem langen Stromausfall?
Ein Kaminofen hilft bei langem Stromausfall, weil er ohne Strom Wärme liefert. Das Berliner Katastrophenschutzportal nennt Kamin und Ofen als alternative Wärmequelle und rät, Brennholz vorrätig zu halten und Fachpersonal bei der Installation einzubeziehen (Stand 03/2026). Campingkocher und Grills sind in Innenräumen wegen Erstickungsgefahr tabu.
Quellen
- Pressemitteilung „Versorgungsunterbrechungen Strom 2024“ · bundesnetzagentur.de · SAIDI 2024: 11,7 Minuten je Letztverbraucher, 164.645 Unterbrechungen über 3 Minuten bei 830 Netzbetreibern (Stand 10/2025)
- Informationen zu Vorsorge und Verhalten bei Stromausfall · berlin.de · Verhaltenstipps zu Wärme, alternativen Wärmequellen und Erstickungsgefahr durch Grills in Innenräumen (Stand 03/2026)
- DIN EN ISO 13790 Energieeffizienz von Gebäuden · din.de · Wirksame Wärmekapazität mittelschwerer Gebäude: 165.000 J/(m²·K) je m² Bezugsfläche (Ausgabe 09/2008)
- DIN EN 60038 CENELEC-Normspannungen · din.de · Normspannung 230/400 V im Niederspannungsnetz (Ausgabe 04/2012)
- VDE-AR-N 4105 Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz · vde.com · Anforderungen an den Netz- und Anlagenschutz, der Erzeugungsanlagen bei Netzausfall trennt (Ausgabe 11/2018)
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