Einführung: Wenn Sonnenenergie auf große Fläche trifft
Während private Hausdächer meist für kleinere Solaranlagen genutzt werden, entfalten sich auf Wiesen, Ackerflächen oder alten Industriegeländen wahre Kraftwerke der Energiewende – sogenannte Freiflächenanlagen.
Diese großflächigen Photovoltaikanlagen spielen eine entscheidende Rolle bei der nachhaltigen Stromerzeugung. Sie liefern enorme Mengen an Solarstrom, nutzen stillgelegte Flächen effizient und tragen maßgeblich dazu bei, die Abhängigkeit von fossilen Energien zu reduzieren.
Doch wie funktionieren Freiflächenanlagen eigentlich im Detail? Welche Voraussetzungen braucht man, um sie zu bauen, und was kostet so ein Projekt? In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte über Freiflächenanlagen, von der Technik über die Planung bis hin zur Wirtschaftlichkeit – kompakt, verständlich und praxisorientiert.
1. Was ist eine Freiflächenanlage?
Eine Freiflächenanlage ist eine Photovoltaikanlage, die nicht auf Gebäuden, sondern auf unbebauten Flächen installiert wird. Diese Anlagen werden auch als Solarparks, Freiland-PV-Anlagen oder Freifeldanlagen bezeichnet.
Sie bestehen aus mehreren hundert bis tausend Solarmodulen, die auf Metallgestellen montiert und fest im Boden verankert werden. So entstehen Stromkraftwerke, die ganze Städte mit Energie versorgen können.
1.1 Abgrenzung zu Dachanlagen
| Merkmal | Dachanlage | Freiflächenanlage |
|---|---|---|
| Standort | Gebäude | Bodenfläche |
| Größe | 5–30 kWp (privat) | 100 kWp bis mehrere MWp |
| Nutzung | Eigenverbrauch oder Einspeisung | Meist Volleinspeisung |
| Planung | Einfach | Aufwändiger (Genehmigung, Fläche, Netzanschluss) |
| Ertrag | begrenzt durch Dachgröße | hohe Flächeneffizienz |
Während private Anlagen meist für den Eigenbedarf gedacht sind, werden Freiflächenanlagen oft als Investitionsprojekte oder Teil kommunaler Energieversorgung betrieben.
2. Wie funktioniert eine Freiflächenanlage?
Das Prinzip ist identisch mit jeder anderen Photovoltaikanlage: Sonnenlicht wird in elektrische Energie umgewandelt.
2.1 Aufbau einer Freiflächenanlage
Eine typische Freiflächenanlage besteht aus:
- Solarmodulen: wandeln Sonnenlicht in Gleichstrom um.
- Montagesystem: stabile Gestelle, meist aus Aluminium oder Stahl, die die Module in idealem Winkel halten.
- Wechselrichtern: wandeln Gleichstrom in Wechselstrom um, der ins öffentliche Netz eingespeist wird.
- Verkabelung & Netzanschluss: verbinden Anlage und Umspannwerk.
- Überwachungssystem: kontrolliert Leistung, Temperatur und Fehlerquellen.
2.2 Funktionsweise im Ablauf
- Sonnenstrahlen treffen auf die Solarmodule.
- In den Solarzellen entsteht durch den photoelektrischen Effekt Strom.
- Der erzeugte Gleichstrom wird an Wechselrichter geleitet.
- Diese wandeln ihn in netzkonformen Wechselstrom um.
- Der Strom wird direkt ins öffentliche Netz eingespeist oder vor Ort genutzt.
Freiflächenanlagen erzeugen durch ihre Größe hohe Strommengen – mehrere Millionen Kilowattstunden pro Jahr sind keine Seltenheit.
3. Wo dürfen Freiflächenanlagen gebaut werden?
Die Standortwahl ist einer der wichtigsten Schritte bei der Planung einer Freiflächenanlage. Nicht jede Fläche darf bebaut werden – und nicht jede eignet sich technisch oder wirtschaftlich.
3.1 Zulässige Flächen nach EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz)
Laut EEG dürfen Freiflächenanlagen grundsätzlich auf folgenden Flächen errichtet werden:
- Konversionsflächen (z. B. ehemalige Militärgelände, Deponien, Industrieflächen)
- Seitenrandstreifen entlang von Autobahnen oder Bahntrassen (max. 200 m Abstand)
- Gewerbliche Brachflächen
- Flächen mit landwirtschaftlicher Nutzung, wenn sie ausdrücklich als „benachteiligte Gebiete“ ausgewiesen sind
3.2 Ungeeignete Flächen
- Naturschutzgebiete
- Hochwasserzonen
- Waldflächen oder Biotope
- Hochwertige Ackerböden der Klasse I und II
3.3 Standortkriterien für optimale Wirtschaftlichkeit
Für gute Erträge sollte der Standort bieten:
- Südliche oder südöstliche Ausrichtung
- Geringe Verschattung
- Sonneneinstrahlung von über 1.000 kWh/m² pro Jahr
- Gute Bodenbeschaffenheit (für Fundamentierung)
- Nähe zum Netzanschluss
4. Planung und Genehmigung – der Weg zur Freiflächenanlage
Die Planung einer Freiflächenanlage ist deutlich komplexer als bei einer Dachanlage. Sie erfordert technische, rechtliche und wirtschaftliche Abstimmung zwischen Eigentümern, Behörden und Netzbetreibern.
4.1 Schritte in der Planung
- Flächenanalyse
Prüfung der Eignung (Größe, Ausrichtung, Topografie, Sonneneinstrahlung). - Genehmigungsverfahren
In der Regel nach dem Baugesetzbuch (BauGB) – bei größeren Anlagen (> 750 kWp) meist mit Bebauungsplanpflicht. - Netzanschlusszusage
Ohne Anschlussmöglichkeit an das Stromnetz kann keine Einspeisung erfolgen. - Wirtschaftlichkeitsanalyse
Kalkulation von Investitionskosten, Erträgen, Förderungen und Laufzeiten. - Ausschreibungspflicht
Ab 750 kWp müssen Betreiber an Ausschreibungen der Bundesnetzagentur teilnehmen, um eine feste Einspeisevergütung zu erhalten.
4.2 Beteiligung der Kommune
Die Gemeinde spielt bei Freiflächenanlagen eine Schlüsselrolle:
- Sie muss einen Bebauungsplan aufstellen.
- Sie entscheidet über Flächennutzung.
- Sie profitiert oft über Gewerbesteuern und Pachteinnahmen.
5. Aufbauvarianten – feste oder nachgeführte Systeme
Nicht jede Freiflächenanlage ist gleich. Es gibt unterschiedliche technische Varianten, die sich im Aufbau und in der Ertragsleistung unterscheiden.
5.1 Feste Aufständerung
Hier sind die Module fest in einem optimalen Winkel (meist 25–35°) nach Süden ausgerichtet.
Vorteile:
- Günstiger in der Anschaffung
- Geringer Wartungsaufwand
- Langlebig
Nachteil:
- Keine Anpassung an Sonnenstand → etwas geringere Jahreserträge
5.2 Nachgeführte Systeme (Solar-Tracker)
Diese Systeme drehen die Module automatisch nach dem Stand der Sonne.
Vorteile:
- Bis zu 25 % mehr Ertrag
- Bessere Nutzung der Morgen- und Abendsonne
Nachteile:
- Höherer Preis
- Mechanischer Verschleiß möglich
- Wartungsintensiver
In Deutschland dominieren feste Aufständerungen, da sie zuverlässiger und kostengünstiger sind.
6. Dimensionierung und Flächenbedarf
6.1 Wie viel Fläche braucht eine Freiflächenanlage?
Je nach Technik und Abstand zwischen den Modulreihen gilt als Faustregel:
- 1 MWp Leistung benötigt etwa 1,5 bis 2 Hektar Fläche.
Beispiel:
Eine 10 MWp-Anlage beansprucht also rund 15–20 Hektar Land.
6.2 Ertragsleistung
Je nach Standort und Sonneneinstrahlung kann eine Freiflächenanlage pro Jahr zwischen 950 und 1.200 kWh pro kWp erzeugen.
Ein 10 MWp-Solarpark produziert somit etwa 10–12 Millionen kWh pro Jahr, genug für über 3.000 Haushalte.
7. Kosten von Freiflächenanlagen
Die Frage „Was kostet eine Freiflächenanlage?“ lässt sich pauschal nicht beantworten – sie hängt stark von Größe, Standort und Technik ab.
7.1 Durchschnittliche Kosten pro kWp
| Anlagengröße | Kosten pro kWp | Gesamtkosten |
|---|---|---|
| 100 kWp | 1.000–1.200 € | 100.000–120.000 € |
| 1 MWp | 750–900 € | 750.000–900.000 € |
| 10 MWp | 600–800 € | 6–8 Mio. € |
Je größer die Anlage, desto günstiger wird der Preis pro Kilowattpeak – Skaleneffekte reduzieren die Kosten erheblich.
7.2 Weitere Kostenfaktoren
- Flächenpacht: ca. 2.000–4.000 € pro Hektar/Jahr
- Netzanschluss: je nach Entfernung 30.000–100.000 €
- Genehmigungen und Gutachten: 20.000–50.000 €
- Versicherung & Wartung: ca. 1–2 % der Investition jährlich
8. Wirtschaftlichkeit und Rendite
Eine Freiflächenanlage ist langfristig ausgelegt – mit Laufzeiten von 20 bis 30 Jahren.
8.1 Einnahmequellen
- Einspeisevergütung nach EEG (bei Teilnahme an Ausschreibungen)
- Direktvermarktung des Stroms an Energieversorger oder Unternehmen
- Power Purchase Agreements (PPA) – langfristige Stromlieferverträge
8.2 Renditeerwartung
- Durchschnittliche Rendite: 5–8 % pro Jahr
- Amortisationszeit: 10–14 Jahre
- Laufzeit der Module: 25–30 Jahre
8.3 Beispielrechnung
Anlagengröße: 5 MWp
- Kosten: 4 Mio. €
- Jahresertrag: 5.000.000 kWh
- Vergütung (7 ct/kWh): 350.000 € Einnahmen/Jahr
- Amortisation: ca. 11 Jahre
Danach erwirtschaftet die Anlage fast reinen Gewinn.
9. Umweltaspekte und ökologische Vorteile
9.1 Nachhaltige Stromproduktion
Eine Freiflächenanlage erzeugt während ihrer Lebensdauer ein Vielfaches der Energie, die für Herstellung, Transport und Aufbau benötigt wurde. Schon nach 1–2 Jahren ist die Energieamortisation erreicht.
9.2 Flächendoppelnutzung – Agri-Photovoltaik
Moderne Anlagen ermöglichen die gleichzeitige Nutzung von Land für Landwirtschaft und Energiegewinnung:
- Agri-PV kombiniert Solarenergie mit Ackerbau.
- Pflanzen profitieren teilweise vom Schatten.
- Landwirte erhalten zusätzliche Einnahmen durch Stromproduktion.
9.3 Förderung der Biodiversität
Freiflächenanlagen können ökologisch wertvoll sein:
- Blühstreifen zwischen Modulreihen
- Schutzräume für Insekten und Vögel
- Keine Pestizide oder Düngemittel
So wird aus einer Energiefläche auch ein Rückzugsort für Flora und Fauna.
10. Wartung und Betrieb
Auch wenn Photovoltaik weitgehend wartungsarm ist, erfordern große Solarparks regelmäßige Kontrolle.
10.1 Wartungsmaßnahmen
- Reinigung der Module (je nach Staub- oder Pollenbelastung)
- Kontrolle der Verkabelung und Steckverbindungen
- Überprüfung von Wechselrichtern und Sicherungen
- Monitoring der Stromproduktion
10.2 Fernüberwachung
Moderne Anlagen verfügen über digitale Monitoring-Systeme, die Erträge in Echtzeit erfassen. Abweichungen oder Fehler werden automatisch gemeldet.
10.3 Lebensdauer
- Solarmodule: 25–30 Jahre
- Wechselrichter: 10–15 Jahre
- Unterkonstruktion: bis zu 40 Jahre
11. Rechtliche Rahmenbedingungen
11.1 EEG-Vergütung und Ausschreibungen
Freiflächenanlagen ab 750 kWp müssen an EEG-Ausschreibungen teilnehmen. Betreiber bieten dort ihre gewünschte Vergütung pro kWh an. Die günstigsten Angebote erhalten den Zuschlag.
11.2 Pachtverträge
Wenn Sie eine geeignete Fläche besitzen, können Sie diese an Projektentwickler verpachten.
Typische Vertragslaufzeiten: 20–30 Jahre.
Pachtpreise: 2.000–5.000 € pro Hektar und Jahr – abhängig von Standort und Netzanschluss.
11.3 Genehmigungen
Neben Bau- und Umweltgenehmigungen können zusätzliche Gutachten notwendig sein:
- Artenschutz
- Bodenschutz
- Entwässerung
- Blendgutachten
12. Chancen für Investoren und Landbesitzer
12.1 Für Landbesitzer
Die Verpachtung von Flächen für eine Freiflächenanlage kann stabile Einnahmen sichern – unabhängig von Ernteerträgen oder Marktpreisen.
Vorteile:
- Langfristige Einnahmenquelle
- Keine eigene Investition nötig
- Wertsteigerung der Fläche
12.2 Für Investoren
Solarparks sind attraktive Kapitalanlagen mit planbaren Erträgen. Besonders institutionelle Anleger und Energiegenossenschaften investieren zunehmend in Freiflächenprojekte.
Pluspunkte:
- Krisensichere Geldanlage
- Kalkulierbare Renditen
- Nachhaltiger Impact
13. Praxisbeispiel: Freiflächenanlage in Deutschland
Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht die Dimension:
Standort: Süddeutschland
Leistung: 15 MWp
Fläche: 25 Hektar
Module: 35.000
Jahresertrag: 16,5 Millionen kWh
Versorgte Haushalte: rund 5.000
Investitionssumme: 12 Millionen €
Amortisation: nach 10 Jahren
Die Anlage spart jährlich rund 9.000 Tonnen CO₂ ein – ein wichtiger Beitrag zur Energiewende.
14. Zukunft der Freiflächenanlagen in Deutschland
Freiflächenanlagen sind ein zentraler Bestandteil der Energiewende. Mit dem Ausbauziel von 215 GW Solarstrom bis 2030 wird ihr Anteil weiter wachsen.
Zukünftige Trends:
- Agri-PV: Kombination von Landwirtschaft und Solarenergie
- Floating-PV: Solaranlagen auf Wasserflächen
- Hybridparks: Kombination aus Wind- und Solarenergie
- Künstliche Intelligenz im Monitoring und Ertragsmanagement
Die Weiterentwicklung der Technik senkt Kosten weiter und macht Freiflächenanlagen zunehmend effizienter.
15. Fazit: Freiflächenanlagen – große Flächen, große Chancen
Freiflächenanlagen sind das Rückgrat der solaren Energieversorgung. Sie zeigen, wie leistungsfähig Photovoltaik im großen Maßstab sein kann.
Ihre Vorteile:
- Hoher Energieertrag und große Strommengen
- Geringe Betriebskosten
- Lange Lebensdauer und stabile Rendite
- Nachhaltige Nutzung brachliegender Flächen
- Wichtiger Beitrag zum Klimaschutz
Natürlich erfordern Planung und Genehmigung mehr Aufwand als bei einer Dachanlage, doch der Nutzen ist enorm – sowohl ökonomisch als auch ökologisch.
Ob als Investor, Kommune oder Landbesitzer: Wer in Freiflächenanlagen investiert, schafft Werte, sichert Einnahmen und leistet zugleich einen messbaren Beitrag zur Energiewende.
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