Einführung: Die Sonne scheint – aber wohin zeigen deine Module?
Wer eine Photovoltaikanlage plant, hat meist eine klare Vorstellung: Strom vom eigenen Dach, saubere Energie und geringere Stromkosten. Doch oft wird ein zentraler Punkt unterschätzt – die Ausrichtung der Solarmodule.
Denn selbst die modernsten PV-Module mit höchstem Wirkungsgrad bringen wenig, wenn sie nicht optimal zur Sonne positioniert sind. Die Ausrichtung der Solarmodule entscheidet maßgeblich darüber, wie viel Sonnenenergie deine Anlage tatsächlich in Strom umwandelt. Schon kleine Abweichungen können Ertragsverluste von 10–30 % verursachen.
In diesem Artikel erfährst du, warum die Modulausrichtung eine so große Rolle spielt, welche Ausrichtung für Deutschland ideal ist, wie sich Dachneigung und Himmelsrichtung auf den Ertrag auswirken – und welche Lösungen es gibt, wenn dein Dach nicht perfekt zur Sonne zeigt.
Was bedeutet „Ausrichtung der Solarmodule“?
Unter der Ausrichtung einer Photovoltaikanlage versteht man den Winkel und die Richtung, in die die Module montiert werden. Dabei unterscheidet man zwei zentrale Aspekte:
- Himmelsrichtung (Azimutwinkel):
Gibt an, in welche Himmelsrichtung die Solarmodule zeigen – also z. B. Süd, Südost oder West. - Neigungswinkel (Dachneigung):
Beschreibt, in welchem Winkel die Module zur Horizontalen geneigt sind. Flachdächer erfordern in der Regel eine Aufständerung, während bei Schrägdächern die Dachneigung maßgeblich ist.
Beide Faktoren zusammen bestimmen, wie lange und wie intensiv Sonnenlicht auf die Modulflächen trifft – und damit, wie viel Strom produziert werden kann.
Warum die Ausrichtung der Solarmodule so entscheidend ist
1. Maximale Sonneneinstrahlung = maximaler Stromertrag
Photovoltaikmodule erzeugen Strom, wenn Sonnenlicht auf sie trifft. Je mehr Sonnenenergie pro Quadratmeter einfällt, desto mehr elektrische Energie entsteht.
Eine optimale Ausrichtung sorgt dafür, dass die Module über den Tag hinweg möglichst lange direkt bestrahlt werden.
Bei falscher Ausrichtung hingegen fällt das Licht flacher ein – die Intensität sinkt, und mit ihr der Stromertrag.
Eine nach Norden ausgerichtete Anlage kann in Deutschland bis zu 40 % weniger Strom liefern als eine nach Süden ausgerichtete.
2. Wirtschaftlichkeit hängt direkt von der Ausrichtung ab
Da sich der Ertrag der Solaranlage direkt auf Amortisation und Rendite auswirkt, bedeutet eine schlechte Ausrichtung auch: längere Amortisationszeit.
Mit optimaler Ausrichtung amortisiert sich eine PV-Anlage meist nach 8–12 Jahren, bei ungünstiger Ausrichtung kann es 15 Jahre oder länger dauern.
3. Eigenverbrauch wird beeinflusst
Auch der Eigenverbrauchsanteil hängt von der Modulausrichtung ab. Eine Ost-West-Ausrichtung kann den Eigenverbrauch erhöhen, weil sie morgens und abends Strom liefert, wenn typischerweise mehr im Haushalt verbraucht wird.
So kann es sinnvoll sein, bewusst auf maximale Erträge zu verzichten, um den Eigenverbrauch zu optimieren.
Optimale Ausrichtung in Deutschland: Süden schlägt alle
In Deutschland liegt die Sonne mittags im Süden – das macht eine Südausrichtung in Kombination mit einem Neigungswinkel von etwa 30–35° zur effizientesten Ausrichtung.
| Ausrichtung | Ertragsniveau (im Vergleich zu Süd) | Kommentar |
|---|---|---|
| Süd | 100 % | Beste Gesamterträge |
| Südost / Südwest | 90–95 % | Geringer Ertragsverlust, dafür breiteres Tagesprofil |
| Ost / West | 80–90 % | Gute Lösung bei hohem Eigenverbrauch |
| Nord | 50–60 % | Nur in Ausnahmefällen sinnvoll (z. B. Flachdach mit Spiegelung) |
Bei einer reinen Südausrichtung trifft die Sonne über den größten Teil des Tages mit hoher Intensität auf die Module – ideal für den maximalen Energieertrag.
Die Rolle des Neigungswinkels
Neben der Richtung spielt der Neigungswinkel eine ebenso wichtige Rolle.
Die optimale Neigung hängt von der geografischen Lage ab. In Deutschland liegt der ideale Neigungswinkel zwischen 28° und 36°, da dieser die jährliche Sonneneinstrahlung optimal nutzt.
| Region | Idealer Neigungswinkel | Bemerkung |
|---|---|---|
| Norddeutschland | 30–35° | flachere Sonne, etwas steilerer Winkel sinnvoll |
| Mitteldeutschland | 30° | optimaler Kompromiss |
| Süddeutschland | 25–30° | Sonne steht höher, daher flacherer Winkel ideal |
Ein zu flacher Winkel führt im Winter zu Ertragsverlusten, ein zu steiler Winkel verringert die Sommererträge.
Wie Dachneigung und Himmelsrichtung zusammenspielen
Dachform, -neigung und -ausrichtung bestimmen die tatsächliche Montagemöglichkeit.
Hier einige Praxisbeispiele:
| Dachausrichtung | Neigung | Eignung für PV | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Süd, 30° | ✅ sehr gut | Optimal für Ertrag | |
| Südost, 25–35° | ✅ gut | Leichter Ertragsverlust, besseres Morgenprofil | |
| Ost/West, 15–25° | ✅ gut | Gute Lösung für Eigenverbrauch | |
| Nord, 30° | ⚠️ eingeschränkt | Nur bei besonderen Bedingungen sinnvoll |
Auf Flachdächern können Module in nahezu jede Richtung aufgeständert werden – das bietet maximale Flexibilität.
Beispielrechnung: Einfluss der Ausrichtung auf den Ertrag
Eine 10 kWp-Anlage in Frankfurt erzeugt bei idealer Südausrichtung und 30° Neigung etwa 10.500 kWh pro Jahr.
Bei anderen Ausrichtungen ergibt sich:
| Ausrichtung | Neigung | Ertrag (kWh/Jahr) | Verlust gegenüber Süd |
|---|---|---|---|
| Süd, 30° | – | 10.500 | 0 % |
| Südost, 30° | – | 9.900 | –6 % |
| Ost/West, 20° | – | 9.200 | –12 % |
| Nord, 30° | – | 6.000 | –43 % |
→ Schon eine Ausrichtungsabweichung von 45° kann also den Jahresertrag um über 1.000 kWh senken.
Der Einfluss der Jahreszeiten
Im Sommer steht die Sonne hoch am Himmel, im Winter deutlich tiefer.
Eine steile Neigung (35–45°) verbessert den Winterertrag, während flache Winkel (15–25°) die Sommerproduktion steigern.
Da in Deutschland im Sommer ohnehin mehr Sonneneinstrahlung vorhanden ist, wird der Winkel meist auf den Jahresertrag optimiert, nicht auf die Wintermonate.
Wann eine Ost-West-Ausrichtung sinnvoll ist
Eine reine Südausrichtung liefert die höchsten Gesamterträge – aber nicht immer die wirtschaftlichste Lösung.
Eine Ost-West-Ausrichtung kann sogar vorteilhafter sein, wenn:
- Das Dach nach Osten und Westen geneigt ist (z. B. Satteldach).
- Ein hoher Eigenverbrauch angestrebt wird.
- Der Strombedarf über den Tag verteilt ist (z. B. Wärmepumpe, Homeoffice, E-Auto).
- Netzeinspeisung gering vergütet wird – Eigenverbrauch lohnt sich mehr.
Vorteil: Morgens und abends – also zu den typischen Verbrauchszeiten – liefern die Module Leistung.
Der Ertrag über den Tag verteilt sich gleichmäßiger.
Einflussfaktor Verschattung
Selbst bei optimaler Ausrichtung kann Verschattung durch Bäume, Schornsteine oder Nachbarhäuser den Ertrag stark reduzieren.
Schon ein kleiner Schatten auf einem Modul kann den gesamten Strang beeinflussen, da alle Module in Reihe geschaltet sind.
Lösungen gegen Verschattung:
- Leistungsoptimierer oder Mikrowechselrichter
- Modulweise Überwachung
- Standortanalyse mit Solar-Software oder Drohne
So lässt sich auch bei weniger optimalen Bedingungen eine hohe Energieausbeute erzielen.
Was tun, wenn das Dach nicht optimal ausgerichtet ist?
Nicht jedes Dach zeigt perfekt nach Süden – und das ist auch kein Ausschlusskriterium.
Hier einige Lösungsansätze:
1. Aufständerung auf Flachdach
Durch Montagesysteme kann der Winkel und die Richtung flexibel angepasst werden – meist in 10–35° Neigung.
So lässt sich auch auf Norddächern ein Südaufbau realisieren.
2. Nutzung beider Dachseiten
Bei Ost-West-Dächern einfach beide Seiten belegen – ergibt gleichmäßigere Ertragskurve und höheren Eigenverbrauch.
3. Fassade oder Carport
Vertikale Installationen (z. B. an Fassaden) können im Winter gute Erträge liefern, da die Sonne flach steht.
4. Bifaziale Module
Diese Module nutzen auch reflektiertes Licht auf der Rückseite – ideal bei heller Umgebung oder Schnee.
5. Nachführsysteme
In größeren Anlagen können Tracker die Module automatisch zur Sonne ausrichten – Steigerung des Jahresertrags um bis zu 25 %.
Regionale Unterschiede in Deutschland
Die ideale Ausrichtung hängt auch vom Breitengrad ab:
| Stadt | Optimale Ausrichtung | Ideale Neigung | Durchschnittsertrag (kWh/kWp) |
|---|---|---|---|
| Hamburg | Süd, 35° | 35° | 950 |
| Köln | Süd, 33° | 30° | 1.050 |
| München | Süd, 30° | 28° | 1.150 |
| Berlin | Süd, 34° | 33° | 1.000 |
| Freiburg | Süd, 28° | 25° | 1.200 |
Im Süden Deutschlands ist die Sonneneinstrahlung um bis zu 25 % höher als im Norden – was sich direkt auf die Ertragsrechnung auswirkt.
Wie du die ideale Ausrichtung für dein Dach ermittelst
1. Online-Solarrechner nutzen
Tools wie PVGIS oder Solarkataster der Länder ermöglichen die Berechnung der optimalen Ausrichtung und Neigung anhand deiner Adresse.
2. Standortanalyse durch Fachbetrieb
Ein Solartechniker nutzt professionelle Software und Drohnenmessung, um Verschattung, Ausrichtung und Strahlungswerte zu ermitteln.
3. Wirtschaftlichkeitsberechnung
Eine Simulation zeigt, ob z. B. eine Ost-West-Ausrichtung trotz geringeren Ertrags wirtschaftlich sinnvoller ist.
Technische Unterstützung: Wechselrichter und MPP-Tracking
Selbst bei suboptimaler Ausrichtung kann moderne Technik helfen, Erträge zu maximieren.
Wechselrichter mit MPP-Tracking (Maximum Power Point Tracking) optimieren kontinuierlich die Leistung jedes Strings.
In Kombination mit Leistungsoptimierern oder Mikrowechselrichtern lässt sich auch bei gemischten Dachflächen (z. B. Ost/West) der Gesamtertrag steigern.
Vergleich: Südausrichtung vs. Ost-West-Ausrichtung
| Kriterium | Südausrichtung | Ost-West-Ausrichtung |
|---|---|---|
| Tagesertrag | Höher | Etwas geringer |
| Ertragsprofil | Mittagsmaximum | Gleichmäßiger Verlauf |
| Eigenverbrauch | Niedriger | Höher |
| Dachausnutzung | Geringer | Besser (beide Seiten nutzbar) |
| Wirtschaftlichkeit | Höher bei Einspeisung | Besser bei Eigenverbrauch |
Wer also vorrangig auf Eigenverbrauch setzt, kann mit einer Ost-West-Ausrichtung unter Umständen mehr Geld sparen, auch wenn die Gesamtleistung geringer ist.
Praxisbeispiel: Zwei Dächer, zwei Ergebnisse
Beispiel A: Südausrichtung, 10 kWp, 10.500 kWh Ertrag, 30 % Eigenverbrauch
→ Jährliche Einsparung ca. 1.200 €
Beispiel B: Ost-West-Ausrichtung, 10 kWp, 9.200 kWh Ertrag, 45 % Eigenverbrauch
→ Jährliche Einsparung ca. 1.350 €
➡️ Fazit: Trotz geringerer Erträge ist Anlage B wirtschaftlich besser, da der Eigenverbrauchsanteil höher ist.
Mythen über die Ausrichtung von Solarmodulen
- „Nur Süddächer lohnen sich.“
❌ Falsch – Ost/West-Anlagen sind heute oft wirtschaftlicher. - „Norddächer sind völlig ungeeignet.“
❌ Teilweise falsch – bei Flachdächern oder Spiegelung durch helle Umgebung sind 70–80 % Ertrag möglich. - „Flache Dächer sind schlecht.“
❌ Falsch – mit Aufständerung lässt sich der Winkel ideal einstellen. - „Ausrichtung ist wichtiger als Modultyp.“
⚠️ Teilweise richtig – beide Faktoren wirken zusammen. Ein hocheffizientes Modul kann Ertragsverluste ausgleichen.
Umweltfaktor: Warum richtige Ausrichtung nachhaltiger ist
Die richtige Ausrichtung der PV-Module sorgt nicht nur für höhere Erträge, sondern auch für bessere ökologische Effizienz.
Denn je mehr Strom du selbst erzeugst, desto weniger Netzstrom (oft aus fossilen Quellen) wird benötigt.
Eine optimale Ausrichtung:
- Senkt CO₂-Ausstoß stärker,
- verlängert die Lebensdauer der Anlage durch geringere thermische Belastung,
- und maximiert den energetischen Rückgewinnungsfaktor („Energy Payback Time“).
Zukunft: Dynamische und intelligente Ausrichtung
Mit neuen Technologien entwickeln sich auch die Möglichkeiten der Solaroptimierung weiter:
- Tracker-Systeme: Module folgen automatisch dem Sonnenstand (Ertragsplus bis 25 %).
- Bifaziale Module: Nutzen Licht auf Vorder- und Rückseite.
- KI-basierte Steuerung: Passt Ausrichtung und Betrieb an Verbrauch und Wetter an.
- Gebäudeintegrierte PV (BIPV): Module werden direkt in Fassaden integriert – optimale Nutzung jeder Fläche.
Diese Innovationen machen die Ausrichtung flexibler und eröffnen auch auf bisher ungünstigen Flächen neue Potenziale.
Zusammenfassung: Das Zusammenspiel von Sonne, Neigung und Richtung
Die Ausrichtung der Solarmodule ist einer der entscheidendsten Faktoren für den Erfolg einer Photovoltaikanlage.
Sie bestimmt, wie viel Sonnenenergie eingefangen wird, wie hoch der Eigenverbrauch ist und wie schnell sich die Anlage amortisiert.
Eine gute Planung berücksichtigt:
- Die Himmelsrichtung (optimal: Süd, alternativ Südost/Südwest oder Ost/West),
- den Neigungswinkel (ideal 30–35°),
- mögliche Verschattungen,
- und die individuellen Verbrauchsgewohnheiten.
Fazit: Die richtige Ausrichtung entscheidet über Ertrag und Rendite
Die Ausrichtung der Solarmodule ist kein Detail – sie ist das Herzstück jeder erfolgreichen PV-Planung.
Sie beeinflusst, wie effizient Sonnenlicht in Strom umgewandelt wird, wie hoch dein Eigenverbrauchsanteil ist und wie rentabel deine Solaranlage langfristig arbeitet.
Eine sorgfältige Analyse von Dachform, Ausrichtung, Neigung und Nutzung führt dazu, dass deine Anlage den maximal möglichen Ertrag liefert – und das über Jahrzehnte hinweg.
Wer also in eine Solaranlage investiert, sollte die Ausrichtung der Solarmodule niemals dem Zufall überlassen, sondern gezielt optimieren – für mehr Energie, mehr Ersparnis und mehr Nachhaltigkeit.
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