Die Entscheidung für eine Photovoltaikanlage ist ein großer Schritt Richtung Energieunabhängigkeit und Nachhaltigkeit. Doch wer seine eigene Solaranlage plant, steht schnell vor einer zentralen Frage: Soll der erzeugte Solarstrom hauptsächlich selbst genutzt (Eigenverbrauch) oder ins öffentliche Netz eingespeist werden (Einspeisung)?
Beide Modelle haben ihre Vorteile – und die richtige Wahl hängt von verschiedenen Faktoren ab: deinem Stromverbrauch, der Größe deiner Anlage, der Einspeisevergütung, der Strompreisentwicklung und deinem persönlichen Ziel.
In diesem Beitrag erfährst du, worin die Unterschiede zwischen Eigenverbrauch und Einspeisung liegen, wie du die Wirtschaftlichkeit beider Varianten berechnest und welche Strategie sich in der Praxis wirklich lohnt.
1. Was bedeutet Eigenverbrauch bei einer Solaranlage?
Unter Eigenverbrauch versteht man den Anteil des erzeugten Solarstroms, den du direkt selbst nutzt, anstatt ihn ins Stromnetz einzuspeisen.
Beispiel:
Deine PV-Anlage erzeugt 10.000 kWh im Jahr.
Davon nutzt du 5.000 kWh selbst im Haushalt – das entspricht einem Eigenverbrauchsanteil von 50 %.
💡 Ziel des Eigenverbrauchs:
Je höher dein Eigenverbrauch, desto mehr sparst du beim Strombezug aus dem Netz – denn du ersetzt teuren Netzstrom (z. B. 40 ct/kWh) durch deinen selbst produzierten Solarstrom (Kosten ca. 8–12 ct/kWh).
2. Was bedeutet Einspeisung bei einer Solaranlage?
Wenn du den Solarstrom nicht selbst verbrauchst, wird der Überschuss automatisch in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Dafür erhältst du eine Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).
Aktuelle Werte (Stand 2025):
| Art der Anlage | Vergütung (netto) | Dauer |
|---|---|---|
| Überschusseinspeisung (Eigenverbrauch + Einspeisung) | 8,11 ct/kWh | 20 Jahre |
| Volleinspeisung (komplett ins Netz) | 12,87 ct/kWh | 20 Jahre |
💡 Die Einspeisevergütung ist gesetzlich garantiert – sie bietet also Planungssicherheit.
3. Eigenverbrauch vs. Einspeisung – der grundlegende Unterschied
| Kriterium | Eigenverbrauch | Einspeisung |
|---|---|---|
| Nutzung des Stroms | direkt im Haushalt | Verkauf ins Netz |
| Einnahmequelle | Stromkostenersparnis | Einspeisevergütung |
| Wirtschaftlichkeit | steigt mit Strompreis | fix durch EEG |
| Unabhängigkeit | hoch | gering |
| Stromspeicher sinnvoll? | ja | nein |
| Hauptziel | Autarkie | Rendite |
💡 Kurz gesagt:
Beim Eigenverbrauch sparst du Geld, beim Einspeisen verdienst du Geld. Welche Variante sich mehr lohnt, hängt von deinem Verbrauchsverhalten und deinen Zielen ab.
4. Wirtschaftlichkeit: Eigenverbrauch lohnt sich meist mehr
Früher war das Einspeisen wirtschaftlich attraktiver, da die Einspeisevergütung hoch war. Heute hat sich das Verhältnis umgekehrt: Strompreise sind stark gestiegen, während die Vergütung gesunken ist – deshalb ist Eigenverbrauch finanziell meist sinnvoller.
Beispielrechnung:
- Strompreis aus Netz: 40 ct/kWh
- Erzeugungskosten Solarstrom: 10 ct/kWh
- Einspeisevergütung: 8 ct/kWh
Eigenverbrauch:
→ Jede selbst verbrauchte kWh spart 30 ct (40 – 10).
Einspeisung:
→ Jede eingespeiste kWh bringt nur 8 ct Einnahmen.
💡 Fazit: Du verdienst beim Eigenverbrauch also rund viermal so viel pro Kilowattstunde wie durch Einspeisung.
5. Wie lässt sich der Eigenverbrauch steigern?
Da sich der Eigenverbrauch Solaranlage wirtschaftlich meist mehr lohnt, ist die Optimierung entscheidend.
Möglichkeiten zur Steigerung des Eigenverbrauchs:
- Stromspeicher installieren – speichert Überschüsse und stellt sie abends bereit.
- Elektroauto laden – PV-Strom direkt fürs E-Fahrzeug nutzen.
- Wärmepumpe koppeln – Solarstrom zur Heizung und Warmwasserbereitung.
- Haushaltsgeräte intelligent steuern – Waschmaschine oder Spülmaschine tagsüber laufen lassen.
- Energie-Management-System (EMS) – automatische Verbrauchsoptimierung.
💡 Mit Speicher und Smart Home lässt sich der Eigenverbrauch oft von 30 % auf über 70 % erhöhen.
6. Wie hoch ist der Eigenverbrauch ohne Speicher?
Ohne Speicher nutzt ein durchschnittlicher Haushalt nur 25–35 % des erzeugten Solarstroms selbst.
Der Rest wird ins Netz eingespeist.
| Haushaltsgröße | Jahresverbrauch | Eigenverbrauch (ohne Speicher) | Eigenverbrauch (mit Speicher) |
|---|---|---|---|
| 2 Personen | 3.000 kWh | 25 % | 55 % |
| 4 Personen | 4.500 kWh | 30 % | 65 % |
| 5+ Personen | 6.000 kWh | 35 % | 75 % |
💡 Tipp: Mit einem Speicher von 5–10 kWh lässt sich der Eigenverbrauch meist verdoppeln.
7. Wann lohnt sich die Volleinspeisung?
Auch wenn der Eigenverbrauch wirtschaftlich meist attraktiver ist, kann die Volleinspeisung in bestimmten Fällen sinnvoll sein:
Volleinspeisung lohnt sich, wenn:
- kein nennenswerter Eigenverbrauch vorhanden ist (z. B. Ferienhäuser).
- sehr große Dachflächen zur Verfügung stehen.
- du den erzeugten Strom nicht selbst nutzen kannst (z. B. Gewerbedach).
- du zwei getrennte PV-Anlagen betreibst: eine für Eigenverbrauch, eine für Volleinspeisung.
💡 Da die Einspeisevergütung bei Volleinspeisung höher ist (12,87 ct/kWh), kann sich das für reine Ertragsanlagen durchaus lohnen.
8. Kombinationsmodell: Überschusseinspeisung
Die meisten privaten PV-Anlagen in Deutschland werden als Überschusseinspeisung betrieben.
Das bedeutet:
- Der erzeugte Solarstrom wird zuerst im Haushalt verbraucht.
- Überschüsse werden automatisch eingespeist.
So profitierst du doppelt:
- Du sparst Stromkosten durch Eigenverbrauch.
- Du erhältst eine Vergütung für den eingespeisten Rest.
💡 Tipp: Dieses Modell bietet das beste Verhältnis zwischen Unabhängigkeit und Wirtschaftlichkeit.
9. Wie berechnet man die Wirtschaftlichkeit von Eigenverbrauch und Einspeisung?
Um herauszufinden, welche Variante sich für dich lohnt, musst du die Amortisationszeit und die jährliche Rendite berechnen.
Beispielrechnung:
Anlage: 10 kWp, Kosten 13.000 €, Ertrag 9.500 kWh/Jahr
Variante 1: Eigenverbrauch (70 % Eigenverbrauch, 30 % Einspeisung)
| Position | Menge | Wert |
|---|---|---|
| Eigenverbrauch | 6.650 kWh × 0,30 € Ersparnis | 1.995 € |
| Einspeisung | 2.850 kWh × 0,08 € | 228 € |
| Betriebskosten | –150 € | |
| Jahresertrag | 2.073 € | |
| Amortisation | 13.000 € / 2.073 € | ≈ 6,3 Jahre |
Variante 2: Volleinspeisung
| Position | Menge | Wert |
|–|–|
| Einspeisung | 9.500 kWh × 0,1287 € | 1.223 € |
| Betriebskosten | –150 € | |
| Jahresertrag | | 1.073 € |
| Amortisation | 13.000 € / 1.073 € | ≈ 12,1 Jahre |
💡 Ergebnis: Eigenverbrauch halbiert die Amortisationszeit und bringt langfristig doppelt so viel Rendite.
10. Einflussfaktoren: Wann welcher Ansatz besser ist
| Einflussfaktor | Besser für Eigenverbrauch | Besser für Einspeisung |
|---|---|---|
| Hoher Strompreis | ✅ | |
| Geringer Stromverbrauch | ✅ | |
| Stromspeicher vorhanden | ✅ | |
| Große Dachfläche | ✅ | ✅ |
| Tagsüber Verbrauch (Homeoffice) | ✅ | |
| Keine Nutzung am Tag (z. B. Bürogebäude) | ✅ |
💡 Je höher dein Strompreis und dein Tagesverbrauch, desto attraktiver ist Eigenverbrauch.
11. Wie beeinflusst der Stromspeicher die Entscheidung?
Ein Stromspeicher macht dich unabhängiger vom Netz – und erhöht deinen Eigenverbrauch deutlich.
Vorteile des Speichers:
- Nutzung von Solarstrom auch abends oder nachts
- Weniger Netzstrombezug
- Schutz vor steigenden Strompreisen
- Höherer Autarkiegrad
💡 Beispiel:
Ohne Speicher erreichst du 30 % Eigenverbrauch.
Mit Speicher steigt dieser auf 60–80 % – das kann jährlich bis zu 800 € mehr Ersparnis bedeuten.
12. Zukunftsperspektive: Eigenverbrauch wird immer attraktiver
Mit steigenden Strompreisen und sinkenden Speicherpreisen wird der Eigenverbrauch immer wirtschaftlicher.
Trends 2025–2030:
- Strompreise: weiter steigend (auf > 0,45 €/kWh erwartet)
- Speicherpreise: fallend (unter 500 €/kWh möglich)
- Förderungen: steuerliche Vorteile (0 % MwSt, Abschreibungen)
- Technologien: Smart Grids, dynamische Stromtarife, Eigenverbrauchsoptimierung
💡 Fazit: Je stärker der Strompreis steigt, desto mehr lohnt sich die Eigennutzung – die Einspeisung dient nur noch als Ergänzung.
13. Praxisbeispiel: Familie Müller vergleicht Eigenverbrauch und Einspeisung
Ausgangsdaten:
- Stromverbrauch: 5.000 kWh/Jahr
- PV-Anlage: 8 kWp
- Speicher: 7 kWh
Variante 1 – Überschusseinspeisung:
- Eigenverbrauch: 70 %
- Einspeisung: 30 %
- Jährliche Ersparnis: 1.800 €
- Amortisation: 6 Jahre
Variante 2 – Volleinspeisung:
- Jährliche Einnahmen: 900 €
- Amortisation: 11 Jahre
💡 Familie Müller spart mit Eigenverbrauch jedes Jahr doppelt so viel Geld – und ist zu 75 % unabhängig vom Stromnetz.
14. Umweltaspekt: Nachhaltigkeit durch Eigenverbrauch
Neben der Wirtschaftlichkeit spielt auch die Umwelt eine Rolle:
- Eigenverbrauch fördert den lokalen Stromverbrauch ohne Transportverluste.
- Einspeisung trägt zur allgemeinen Energiewende bei, aber du bist weiterhin vom Netz abhängig.
💡 Der ökologische Fußabdruck ist beim Eigenverbrauch am geringsten, da der erzeugte Strom direkt dort genutzt wird, wo er entsteht.
15. Fazit: Eigenverbrauch oder Einspeisung – was ist besser?
Beide Modelle haben ihre Daseinsberechtigung – doch für die meisten privaten Haushalte gilt: Eigenverbrauch ist klar im Vorteil.
✅ Eigenverbrauch lohnt sich, wenn:
- du tagsüber Strom verbrauchst,
- du einen Speicher oder E-Auto nutzt,
- du langfristig unabhängig vom Stromanbieter sein willst.
✅ Einspeisung lohnt sich, wenn:
- du große Dachflächen hast,
- du kaum Eigenbedarf hast,
- du eine reine Investitionsanlage planst.
💡 Fazit in einem Satz:
Wer heute eine Solaranlage plant, sollte den Eigenverbrauch optimieren – und den überschüssigen Strom als Bonus ins Netz einspeisen. So erzielst du maximale Wirtschaftlichkeit, Autarkie und Nachhaltigkeit.
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