Eine Photovoltaikanlage ist mehr als nur eine Ansammlung von Solarmodulen. Damit sie über Jahrzehnte hinweg sicher, effizient und normgerecht arbeitet, müssen Sicherungen, Überspannungsschutz und Leitungswege sorgfältig geplant werden. Diese Komponenten bilden das Sicherheitsfundament jeder PV-Anlage – sie schützen vor elektrischen Schäden, Blitzschlägen, Überlastung und Brandgefahr.
Gerade in Zeiten steigender Installationszahlen und wachsender Anlagengrößen wird eine fehlerfreie elektrische Planung immer wichtiger. Falsche Absicherung, unzureichender Überspannungsschutz oder unzulässige Leitungswege können nicht nur die Effizienz mindern, sondern sogar Menschenleben gefährden.
In diesem Beitrag erfährst du, wie Sicherungen, Überspannungsschutz und Leitungswege richtig geplant werden, welche Normen gelten und welche bewährten Praxistipps Profis beachten sollten.
Inhalt
- Warum Sicherungen, Überspannungsschutz und Leitungswege so wichtig sind
- Grundlagen der elektrischen Sicherheit in PV-Anlagen
- Planung von Sicherungen in PV-Systemen
- DC- und AC-Seite: Unterschiede bei der Absicherung
- Überspannungsschutz in Photovoltaikanlagen – Pflicht seit 2019
- Typen von Überspannungsschutz und ihre Aufgaben
- Leitungswege in der Photovoltaik richtig planen
- Brandschutz und Potentialausgleich
- Normen und Vorschriften – was gilt laut VDE & IEC
- Häufige Planungsfehler und wie man sie vermeidet
- Praxisbeispiel: Planung einer sicheren Leitungsführung mit Überspannungsschutz
- Zukunftstrends: Intelligente Schutztechnik und digitale Überwachung
- Fazit: Sicherungen, Überspannungsschutz und Leitungswege – Sicherheit beginnt bei der Planung
Warum Sicherungen, Überspannungsschutz und Leitungswege so wichtig sind
Photovoltaikanlagen erzeugen über Jahre hinweg hohe elektrische Leistungen – meist unter wechselnden Umgebungsbedingungen. Ohne geeignete Schutzmaßnahmen können Überlastung, Überspannung oder fehlerhafte Leitungsführung zu gefährlichen Situationen führen.
Eine fehlerhafte Planung von Sicherungen oder Leitungswegen kann folgende Folgen haben:
- Brandgefahr durch überhitzte Kabel oder Lichtbögen
- Geräteschäden durch Blitzeinschläge oder Überspannung
- Personengefährdung durch elektrische Schläge
- Ertragsverluste durch Leitungsverluste und Spannungseinbußen
Die korrekte Kombination aus Sicherungen, Überspannungsschutz und durchdachter Leitungsführung ist daher Pflicht – nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch für den langfristig wirtschaftlichen Betrieb.
Grundlagen der elektrischen Sicherheit in PV-Anlagen
Jede Photovoltaikanlage besteht aus einem DC-Kreis (Gleichstrom) und einem AC-Kreis (Wechselstrom). Beide erfordern unterschiedliche Schutzkonzepte.
DC-Seite:
- Von den Modulen bis zum Wechselrichter
- Spannung bis zu 1.500 V DC
- Kein Nullleiter, aber hohe Ströme bei direkter Sonneneinstrahlung
- Erhöhte Brandgefahr bei Lichtbögen
AC-Seite:
- Vom Wechselrichter zum Netzanschluss oder Speicher
- Spannung 230 / 400 V
- Klassische Schutzmechanismen wie RCDs (Fehlerstromschutzschalter) und Sicherungsautomaten
Das Zusammenspiel von beiden Stromkreisen muss in der Planung so erfolgen, dass keine Gefährdung für Menschen oder Geräte entsteht – hier kommen Sicherungen, Überspannungsschutz und korrekte Leitungsführung ins Spiel.
Planung von Sicherungen in PV-Systemen
Sicherungen haben die Aufgabe, Leitungen und Komponenten vor Überlastung und Kurzschluss zu schützen.
Wichtige Kriterien bei der Planung:
- Bemessungsstrom (I_n): muss größer sein als der Betriebsstrom.
- Spannungsfestigkeit: bis 1.500 V DC auf der PV-Seite.
- Schaltvermögen: muss den maximal möglichen Kurzschlussstrom sicher trennen.
Typische Sicherungselemente:
| Bauteil | Einsatzbereich | Bemessung |
|---|---|---|
| PV-String-Sicherung | Schutz einzelner Modulstränge | 10–20 A, 1.000–1.500 V DC |
| Leitungsschutzschalter (LS) | AC-Schutz nach dem Wechselrichter | 6–32 A, 230/400 V AC |
| NH-Sicherungen | Großanlagen oder Speicheranschlüsse | bis 630 A |
| DC-Trennschalter | Manuelle Abschaltung im Wartungsfall | 1.000–1.500 V DC |
Jede Leitung, die mehrere PV-Strings zusammenführt, muss separat abgesichert werden, um Rückströme zwischen den Strings zu verhindern.
DC- und AC-Seite: Unterschiede bei der Absicherung
Die Planung von Sicherungen unterscheidet sich zwischen Gleich- und Wechselstromkreisen deutlich:
| Kriterium | DC-Seite | AC-Seite |
|---|---|---|
| Spannung | bis 1.500 V | 230/400 V |
| Charakteristik | Träge Sicherungen (gG/gPV) | B- oder C-Charakteristik |
| Polarität | Plus und Minus getrennt absichern | Neutralleiter nicht absichern |
| Typische Sicherung | PV-String-Sicherung | Leitungsschutzschalter |
| Fehlerstromschutz | Nicht notwendig | RCD Typ B oder F |
| Abschaltbedingungen | schwieriger bei DC | schnell durch Nulldurchgang |
PV-spezifische Sicherungen (gPV) sind auf DC-Ströme und hohe Lichtbogenenergien ausgelegt – Standard-Sicherungen sind hier ungeeignet.
Überspannungsschutz in Photovoltaikanlagen – Pflicht seit 2019
Seit Inkrafttreten der DIN VDE 0100-712:2019-10 ist der Überspannungsschutz verpflichtend für alle neu installierten PV-Anlagen.
Er schützt vor:
- indirekten Blitzeinschlägen,
- Netzüberspannungen,
- Einkopplungen durch Schaltvorgänge,
- und Elektrostatik.
Ein Blitzschlag kann Spannungen von mehreren 100.000 Volt erzeugen – ohne Überspannungsschutz würden Wechselrichter, Module und Batteriespeicher sofort zerstört.
Typen von Überspannungsschutz und ihre Aufgaben
| Typ | Anwendungsbereich | Beschreibung |
|---|---|---|
| Typ 1 (Grobschutz) | Direkter Blitzschlag | Entlädt sehr hohe Ströme (>25 kA), installiert am Gebäudeeintritt |
| Typ 2 (Mittelschutz) | Indirekte Einschläge, Schaltvorgänge | Schützt Geräte vor Netzüberspannung |
| Typ 3 (Feinschutz) | Endgeräte (Wechselrichter, Steuerungen) | Kombination mit Typ 2 für höchste Sicherheit |
Aufbau im PV-System:
- DC-seitig: Überspannungsschutz zwischen Modulen und Wechselrichter
- AC-seitig: Überspannungsschutz am Netzübergabepunkt
- Kommunikation: Schutz der RS485- oder Ethernet-Leitungen
Eine Kombination aus Typ 1 + Typ 2 ist für Gebäude mit äußerem Blitzschutzsystem zwingend vorgeschrieben.
Leitungswege in der Photovoltaik richtig planen
Die richtige Leitungsführung ist entscheidend für Sicherheit, Effizienz und Wartbarkeit der Anlage.
Grundregeln für Leitungswege:
- Trennung von DC- und AC-Leitungen
– um Induktionsströme und Brandrisiken zu vermeiden. - Kurze und direkte Wege
– je kürzer, desto geringer die Spannungsverluste. - Vermeidung von Schleifen
– reduziert das Risiko elektromagnetischer Einkopplung. - Schutz vor UV-Strahlung
– besonders bei Dachverlegung. - Mechanischer Schutz
– durch Schutzrohre, Kabelkanäle oder Kabelpritschen.
Farbkennzeichnung:
| Leitungstyp | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| DC + | Rot | Plusleitung |
| DC – | Schwarz | Minusleitung |
| AC Phase | Braun / Schwarz | L1, L2, L3 |
| AC Neutralleiter | Blau | Rückleiter |
| Schutzleiter (PE) | Grün/Gelb | Erdung |
Brandschutz und Potentialausgleich
Der Potentialausgleich sorgt dafür, dass keine gefährlichen Spannungsunterschiede zwischen metallischen Komponenten entstehen.
Maßnahmen:
- Alle metallischen Teile (z. B. Montageschienen, Gehäuse) müssen elektrisch verbunden werden.
- Querschnitt des Potentialausgleichsleiters: mind. 6 mm² Cu.
- Verbindung über geprüfte Erdungsklemmen oder Sammelschienen.
Brandschutz:
- Trennung von DC- und AC-Leitungen im gesamten Verlauf.
- Verwendung halogenfreier, flammwidriger Kabel.
- Brandschutzschalter (AFDD) in Wohngebäuden empfohlen.
- Keine Kabelverlegung über leicht brennbare Materialien ohne Schutzrohr.
Normen und Vorschriften – was gilt laut VDE & IEC
| Norm / Vorschrift | Inhalt / Bedeutung |
|---|---|
| DIN VDE 0100-712 | Errichtung von PV-Anlagen |
| DIN EN 50539-11 / IEC 61643-31 | Überspannungsschutzgeräte für PV-Systeme |
| DIN EN 50618 | Anforderungen an PV-Kabel |
| VDE-AR-N 4105 | Netzanschluss von Erzeugungsanlagen |
| IEC 60364-7-712 | Internationale PV-Installationsnorm |
| DIN EN 62305 | Blitz- und Überspannungsschutz |
Diese Normen sind die Grundlage für jede fachgerechte elektrische Planung von PV-Systemen – sie sichern den Personen-, Anlagen- und Brandschutz.
Häufige Planungsfehler und wie man sie vermeidet
- Unzureichender Querschnitt bei DC-Kabeln
→ führt zu Spannungsabfall und Leistungsverlust. - DC- und AC-Leitungen gemeinsam verlegt
→ erhöht Induktionsgefahr und Brandrisiko. - Fehlender Überspannungsschutz
→ kann zu Totalausfall der Anlage führen. - Falsche Sicherungsauswahl
→ Sicherung löst zu spät oder gar nicht aus. - Fehlender Potentialausgleich
→ gefährliche Spannungsdifferenzen, Risiko für Elektrounfälle. - Nicht zugelassene Steckverbinder kombiniert
→ Kontaktprobleme, Lichtbögen, Brände.
Praxisbeispiel: Planung einer sicheren Leitungsführung mit Überspannungsschutz
Projekt:
Einfamilienhaus, 10 kWp PV-Anlage, 2 Strings à 10 Module, Wechselrichter im Keller.
Planungsschritte:
- DC-Leitungen:
- 6 mm² H1Z2Z2-K Kabel, Länge 25 m
- getrennte Verlegung in UV-beständigem Schutzrohr
- Absicherung: 15 A gPV-Sicherung je String
- Überspannungsschutz:
- Typ 2 DC-Seite am Generatoranschlusskasten
- Typ 2 AC-Seite am Hausanschlusskasten
- Verbindung zum Potentialausgleich < 0,5 m
- Leitungsschutz:
- LS-Schalter 16 A, C-Charakteristik
- RCD Typ B für Wechselrichterkreis
- Leitungswege:
- Keine Kreuzung von AC/DC-Leitungen
- Mindestabstand 10 cm bei paralleler Verlegung
- Dokumentation:
- Prüfprotokoll nach VDE 0100-600
- Eintrag im Anlagenpass
Ergebnis:
Sichere, normgerechte und verlustarme Installation – vorbereitet für 25 Jahre Betriebssicherheit.
Zukunftstrends: Intelligente Schutztechnik und digitale Überwachung
Die Entwicklung in der Photovoltaik schreitet rasant voran – auch im Bereich der Schutztechnik.
Neue Trends:
- Integrierter Überspannungsschutz in Wechselrichtern und Speichern.
- Intelligente Sicherungen, die Ströme und Temperaturen überwachen.
- Cloudbasierte Fehlererkennung – Alarmmeldungen bei Überspannungen in Echtzeit.
- Lichtbogenerkennung (AFCI) – automatische Abschaltung bei DC-Fehlern.
- Vorausschauende Wartung durch digitale Leitungsüberwachung.
Die Zukunft liegt in vernetzten, selbstüberwachenden Schutzsystemen, die Ausfälle erkennen, bevor sie entstehen.
Fazit: Sicherungen, Überspannungsschutz und Leitungswege – Sicherheit beginnt bei der Planung
Die sorgfältige Planung von Sicherungen, Überspannungsschutz und Leitungswegen ist das Fundament jeder sicheren und effizienten Photovoltaikanlage.
Sie schützt nicht nur technische Komponenten, sondern auch Menschen, Gebäude und Investitionen.
Wichtigste Erkenntnisse:
- Sicherungen verhindern Überlastung und Kurzschluss.
- Überspannungsschutz ist Pflicht und schützt vor Blitz- und Netzstörungen.
- Leitungswege müssen klar getrennt, kurz und mechanisch geschützt sein.
- Normgerechte Ausführung nach VDE 0100-712 ist unverzichtbar.
- Zukunftssichere Systeme setzen auf intelligente, digital vernetzte Schutztechnik.
👉 Fazit in einem Satz:
Wer Sicherungen, Überspannungsschutz und Leitungswege professionell plant, legt die Basis für maximale Sicherheit, Effizienz und Langlebigkeit seiner Photovoltaikanlage.
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