Einleitung: Warum die String-Planung über Effizienz und Ertrag entscheidet
Bei der Installation einer Photovoltaikanlage denken viele Hausbesitzer zunächst an Solarmodule und vielleicht noch an den Wechselrichter. Doch dazwischen liegt ein entscheidender Schritt, der oft unterschätzt wird: die String-Planung.
Die String-Planung legt fest, wie Solarmodule elektrisch miteinander verbunden werden und wie sie mit dem Wechselrichter zusammenarbeiten. Eine durchdachte String-Planung sorgt dafür, dass deine PV-Anlage maximale Energieerträge bei höchster Effizienz erzielt – unabhängig von Dachausrichtung, Verschattung oder Modultyp.
Fehler in der String-Auslegung können hingegen zu Leistungsverlusten von 10–30 % führen oder im schlimmsten Fall zu Störungen und vorzeitigen Ausfällen des Wechselrichters.
In diesem umfassenden Leitfaden erfährst du:
- was die String-Planung in der Photovoltaik genau bedeutet,
- wie du Strings richtig dimensionierst,
- worauf du bei der Kombination von Modulen und Wechselrichtern achten musst,
- und welche Tools und Praxisbeispiele dir bei der Planung helfen.
1. Was bedeutet String-Planung in der Photovoltaik?
In einer Photovoltaikanlage werden die Solarmodule elektrisch miteinander verbunden, um die erzeugte Gleichspannung (DC) an den Wechselrichter zu liefern. Diese Verbindung erfolgt über sogenannte Strings – also Reihenschaltungen mehrerer Module.
Die String-Planung beschreibt den technischen Prozess, mit dem bestimmt wird:
- wie viele Module pro String verbunden werden,
- wie viele Strings insgesamt notwendig sind,
- welcher Wechselrichter ideal dazu passt,
- und wie die Spannung und der Strom im optimalen Bereich bleiben.
💡 Ziel der String-Planung:
Der Wechselrichter soll immer im optimalen Arbeitspunkt (MPP) betrieben werden – also dort, wo er die maximale Leistung aus den Solarmodulen ziehen kann.
2. Grundlagen: Strom, Spannung und Leistung in PV-Strings
Damit du verstehst, wie Strings funktionieren, ist ein kurzer Blick auf die elektrischen Grundlagen wichtig.
Reihenschaltung
Wenn du Solarmodule in Reihe schaltest, addiert sich die Spannung, während der Strom gleich bleibt.
Ugesamt = U1 + U2 + U3 …
Igesamt = I1 = I2 = I3 …
Parallelschaltung
Bei Parallelschaltung bleibt die Spannung gleich, aber die Ströme addieren sich.
Ugesamt = U1 = U2 = U3 …
Igesamt = I1 + I2 + I3 …
💡 Beispiel:
10 Module à 40 V und 10 A → in Reihe geschaltet ergibt das 400 V und 10 A.
Zwei solcher Strings parallel → 400 V und 20 A.
3. Ziel der String-Planung: Effiziente Kopplung von Modulen und Wechselrichter
Die Kunst der String-Planung liegt darin, die Modulanordnung und elektrische Verschaltung exakt auf den Wechselrichter abzustimmen.
Warum das wichtig ist:
- Der Wechselrichter hat Spannungs- und Stromgrenzen, die nicht überschritten werden dürfen.
- Nur wenn die Spannung im richtigen Bereich liegt, arbeitet der MPP-Tracker (Maximum Power Point Tracker) optimal.
- Falsche String-Auslegung kann dazu führen, dass der Wechselrichter nicht startet oder unter seinem Wirkungsgrad arbeitet.
💡 Merke:
Eine gute String-Planung bedeutet maximale Energieausbeute bei minimalen Verlusten – unabhängig von Witterung oder Dachausrichtung.
4. Komponenten, die bei der String-Planung berücksichtigt werden müssen
| Komponente | Einfluss auf die Planung |
|---|---|
| Solarmodule | Spannung (Voc, Vmp), Strom (Isc, Imp), Temperaturkoeffizienten |
| Wechselrichter | MPP-Spannungsbereich, Maximalspannung (Umax), Maximalstrom pro Tracker |
| Dachausrichtung | Ost, West, Süd, Flachdach → beeinflusst Stringverteilung |
| Kabelquerschnitt | Spannungsverluste bei langen Strecken |
| Umgebungstemperatur | beeinflusst Modulspannung |
💡 Tipp:
Herstellerdatenblätter der Module und Wechselrichter sind die Grundlage jeder professionellen String-Auslegung.
5. So funktioniert die Wechselrichter-Auslegung in der Praxis
Ein Wechselrichter wandelt den Gleichstrom (DC) der PV-Strings in Wechselstrom (AC) um. Damit das reibungslos funktioniert, müssen seine Eingangsparameter zur PV-Anlage passen.
Wichtige Werte im Datenblatt:
- Udc,max (max. Eingangsspannung)
- MPP-Spannungsbereich (z. B. 150–800 V)
- Imax (max. Eingangsstrom pro Tracker)
- Anzahl der MPP-Tracker (z. B. 2 oder 3)
💡 Ziel:
Die Stringspannung soll immer innerhalb des MPP-Bereichs liegen – auch bei niedrigen Temperaturen (höchste Spannung) und im Hochsommer (niedrigste Spannung).
6. Beispiel: String-Planung Schritt für Schritt
Schritt 1: Technische Daten des Moduls
- Spannung bei MPP (Vmp): 40 V
- Leerlaufspannung (Voc): 48 V
- Strom bei MPP (Imp): 10 A
- Temperaturkoeffizient Spannung: -0,3 %/°C
Schritt 2: Wechselrichterdaten
- Max. Eingangsspannung: 1.000 V
- MPP-Bereich: 200–850 V
- Max. Eingangsstrom: 20 A
Schritt 3: Stringlänge berechnen
Bei -10 °C (kalte Wintertage) steigt die Modulspannung um etwa 10 %.
→ Voc real ≈ 48 V × 1,10 = 52,8 V
Maximale Anzahl Module pro String:
1.000 V ÷ 52,8 V = 18,9 ≈ 18 Module
Bei +70 °C sinkt die Spannung auf ca. 90 %.
→ Vmp real ≈ 40 V × 0,9 = 36 V
18 Module × 36 V = 648 V → im MPP-Bereich ✅
💡 Ergebnis:
Ein String mit 18 Modulen passt perfekt zu diesem Wechselrichter.
7. Bedeutung des MPP-Trackers für die String-Planung
Der MPP-Tracker (Maximum Power Point Tracker) sorgt dafür, dass der Wechselrichter immer im optimalen Spannungsbereich arbeitet, um den höchsten Ertrag zu erzielen.
Wenn du mehrere Dachflächen mit unterschiedlicher Neigung oder Ausrichtung hast, brauchst du mehrere MPP-Tracker oder sogar mehrere Wechselrichter.
💡 Regel:
Jede Dachfläche mit unterschiedlicher Einstrahlung sollte einen eigenen MPP-Tracker erhalten.
Beispiel:
- Süd-Dach → MPP-Tracker 1
- West-Dach → MPP-Tracker 2
So wird jede Teilanlage individuell geregelt – ohne gegenseitige Leistungsverluste.
8. Parallelverschaltung und Multi-String-Systeme
Wann ist Parallelschaltung sinnvoll?
- Bei sehr großen Anlagen mit vielen Modulen.
- Wenn der Strombedarf des Wechselrichters höher ist als ein einzelner String liefern kann.
💡 Wichtig:
Nur Strings mit identischer Modulzahl, Spannung und Ausrichtung dürfen parallel geschaltet werden – sonst kommt es zu Leistungsverlusten.
Multi-String-Systeme
Moderne Wechselrichter bieten mehrere DC-Eingänge (z. B. 2–3 MPP-Tracker).
So können verschiedene Strings unabhängig voneinander geregelt werden – optimal bei Ost-West-Dächern oder Teilverschattung.
9. Typische Fehler bei der String-Planung
❌ Zu viele Module pro String
→ Spannung überschreitet Wechselrichtergrenze → Gefahr der Beschädigung
❌ Zu wenige Module
→ Spannung unterhalb MPP → Wechselrichter arbeitet ineffizient
❌ Unterschiedliche Modultypen im selben String
→ Schwächste Zelle bestimmt Leistung
❌ Verschattung nicht berücksichtigt
→ Ein Schatten auf einem Modul senkt Leistung des ganzen Strings
❌ Falsche Kabelquerschnitte
→ Spannungsverluste von 2–5 % möglich
💡 Tipp:
Eine professionelle Software wie Sunny Design (SMA) oder Fronius Solar.configurator vermeidet solche Fehler automatisch.
10. Temperaturabhängigkeit – ein entscheidender Faktor
Die Spannung eines Solarmoduls variiert stark mit der Temperatur:
- Bei Kälte steigt die Spannung,
- bei Hitze fällt sie ab.
💡 Daher muss der String so geplant werden, dass bei -10 °C die Maximalspannung nicht überschritten wird und bei +70 °C die Mindestspannung für den MPP noch erreicht wird.
Beispiel:
Ein Modul mit Voc = 48 V →
- bei -10 °C: +10 % → 52,8 V
- bei +70 °C: -10 % → 43,2 V
→ Berechnungen wie diese sind essenziell für eine sichere Stringauslegung.
11. Tools & Software für die String-Planung
Professionelle Tools erleichtern die Dimensionierung erheblich:
| Tool | Hersteller | Funktion |
|---|---|---|
| Sunny Design | SMA | Wechselrichter- und String-Planung |
| Fronius Solar.configurator | Fronius | DC/AC-Auslegung, MPP-Bereich |
| SolarEdge Designer | SolarEdge | Stringplanung mit Optimierern |
| PV*SOL Premium | Valentin Software | 3D-Simulation, Schattenanalyse |
| Huawei FusionSolar | Huawei | Projektplanung & Ertragsprognose |
💡 Tipp:
Mit diesen Tools kannst du schon in der Planungsphase prüfen, ob dein System technisch und wirtschaftlich optimal ausgelegt ist.
12. String-Optimierer und Leistungsoptimierer – wann sie sinnvoll sind
Bei teilverschatteten Dächern oder ungleichmäßiger Einstrahlung können Leistungsoptimierer (z. B. von SolarEdge oder Tigo) den Ertrag deutlich erhöhen.
Vorteile:
✅ Jedes Modul arbeitet unabhängig
✅ Minimiert Verschattungsverluste
✅ Bessere Überwachung einzelner Module
Nachteile:
❌ Höhere Kosten
❌ Zusätzliche Elektronik (Fehlerquellen möglich)
💡 Empfehlung:
Setze Optimierer gezielt dort ein, wo Verschattung unvermeidbar ist – nicht flächendeckend.
13. Praxisbeispiel: String-Planung einer 10-kWp-Anlage
Daten:
- Module: 400 W, Voc 48 V, Vmp 40 V
- Wechselrichter: 10 kW, MPP 250–850 V, Max 1.000 V
- Dach: Süd (30° Neigung), keine Verschattung
Berechnung:
- Max Module pro String: 1.000 V ÷ 52,8 V = 18 Module
- Realer MPP-Bereich bei Sommerbetrieb: 18 × 36 V = 648 V
✅ Perfekt im MPP-Bereich
Mit 2 Strings à 18 Modulen = 36 Module × 400 W = 14,4 kWp brutto
→ real nutzbar auf 10-kW-Wechselrichter (DC/AC-Verhältnis 1,4) → optimaler Ertrag bei geringen Verlusten.
💡 Ergebnis:
- Jährlicher Ertrag: ca. 14.000 kWh
- Wirkungsgrad des Systems: > 97 %
14. Sicherheit und Normen in der String-Planung
Bei der String-Planung müssen Normen und Vorschriften eingehalten werden:
- DIN VDE 0100-712: Errichtung von PV-Stromversorgungsanlagen
- IEC 62548: Planung und Installation von PV-Systemen
- Brandschutzrichtlinien (je nach Bundesland)
💡 Tipp:
Immer auf korrekte Absicherung und Trennvorrichtungen achten – vor allem bei Anlagen > 30 kWp.
15. Fazit: String-Planung als Schlüssel zur effizienten Photovoltaik-Anlage
Die String-Planung in der Photovoltaik ist weit mehr als ein technisches Detail – sie ist das Rückgrat deiner Anlage. Nur wenn Module und Wechselrichter optimal aufeinander abgestimmt sind, kann deine PV-Anlage ihre volle Leistung entfalten.
Eine sorgfältige Planung sorgt dafür, dass:
✅ Spannung und Strom im idealen Bereich bleiben,
✅ der Wechselrichter effizient arbeitet,
✅ und Ertragsverluste minimiert werden.
Kurz gesagt:
Die richtige String-Planung ist der Schlüssel für maximale Energieausbeute, Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit deiner Solaranlage.
💡 Handlungstipp:
Nutze Planungssoftware oder ziehe einen Fachbetrieb hinzu – kleine Unterschiede in der Stringauslegung können langfristig Tausende Kilowattstunden ausmachen.
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