Viele Hausbesitzer träumen von ihrer eigenen Photovoltaikanlage – doch was, wenn das Dach nicht perfekt nach Süden zeigt? Jahrzehntelang galt die Süd-Ausrichtung als „Goldstandard“ für Solaranlagen, da sie die höchste Sonneneinstrahlung und damit den größten Stromertrag versprach. Heute jedoch ist die Technik weiter: moderne Module, smarte Wechselrichter und Speichersysteme holen selbst bei Ost-, West- oder Flachdächern erstaunlich hohe Erträge heraus.
In diesem ausführlichen Leitfaden gehen wir der Frage auf den Grund: Lohnt sich eine Solaranlage auch ohne Süd-Dach? Wir zeigen, wie groß die Ertragsunterschiede wirklich sind, welche Faktoren entscheidend sind, welche Dachausrichtungen und -neigungen trotzdem wirtschaftlich arbeiten – und wann sich eine PV-Anlage fast immer lohnt.
Warum Dachausrichtung und Neigung wichtig sind
Um zu verstehen, ob sich eine Solaranlage ohne Süd-Dach lohnt, muss man die Grundlagen der Sonnenenergie kennen. Die Ausrichtung (Azimut) und Neigung des Daches bestimmen, wie viele Sonnenstunden im Jahr tatsächlich auf die Module treffen.
- Südausrichtung: maximale Sonneneinstrahlung über den Tag verteilt
- Ost-/West-Ausrichtung: gleichmäßige Verteilung der Energie am Morgen und Nachmittag
- Nordausrichtung: geringste Einstrahlung, meist nicht wirtschaftlich
Der ideale Neigungswinkel liegt in Mitteleuropa zwischen 25° und 35°, da so die Sonne mittags in optimalem Winkel auf die Module trifft. Doch selbst bei Abweichungen kann eine Anlage dank moderner Technik sehr rentabel arbeiten.
Wie stark beeinflusst die Dachausrichtung den Ertrag?
Früher galt: Nur Süddächer bringen rentable Erträge. Heute wissen wir – das stimmt nicht mehr.
Durchschnittliche Erträge nach Dachausrichtung (Deutschland)
| Dachausrichtung | Durchschnittlicher Jahresertrag (in % gegenüber Süddach) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Süd (30°) | 100 % | optimale Ausrichtung |
| Südost / Südwest | 95–98 % | kaum Verlust |
| Ost / West (je 30–40° Neigung) | 85–95 % | sehr gute Alternative |
| Flachdach (mit Aufständerung) | 90–100 % | abhängig von Ausrichtung |
| Nordost / Nordwest | 70–80 % | nur mit bestimmten Bedingungen sinnvoll |
| Nord | <60 % | meist nicht rentabel |
Selbst Ost- und Westdächer erreichen heute über 85 % der maximalen Leistung eines Süddachs – ein Unterschied, der sich oft durch geringere Investitionskosten oder Eigenverbrauchsvorteile kompensieren lässt.
Warum sich eine Solaranlage auch ohne Süd-Dach lohnt
Die Antwort lautet klar: Ja, eine Solaranlage lohnt sich auch ohne Süd-Dach.
Und zwar aus mehreren Gründen:
1. Hoher Eigenverbrauch durch gleichmäßigere Stromproduktion
Ost- und Westdächer erzeugen Strom über den gesamten Tag verteilt – morgens auf der Ostseite, nachmittags auf der Westseite. Dadurch steht Solarstrom genau dann zur Verfügung, wenn im Haushalt typischerweise der meiste Strom verbraucht wird (Frühstück, Abendessen).
Das erhöht den Eigenverbrauchsanteil und verringert den Bezug von teurem Netzstrom.
2. Effiziente Technik gleicht Ausrichtungseinflüsse aus
Moderne Photovoltaik-Module sind heute deutlich leistungsfähiger als noch vor zehn Jahren. Dank:
- besserem Schwachlichtverhalten,
- optimierten Solarzellenstrukturen,
- Mikro-Wechselrichtern oder Leistungsoptimierern
arbeiten sie auch bei diffusen Lichtverhältnissen effizient.
3. Günstigere Preise und Förderungen
Seit der 0 % Mehrwertsteuer-Regelung (seit 2023) und steigender Energiepreise rechnet sich fast jede Anlage. Selbst wenn der Ertrag 10–15 % niedriger ist, bleibt die Amortisationszeit oft unter 12 Jahren.
4. Klimaschutz & Unabhängigkeit
Selbst eine Ost-West-Anlage spart jährlich mehrere Tonnen CO₂ und reduziert den Strombezug aus fossilen Quellen erheblich.
Was spricht für Ost-West-Dächer bei Photovoltaik?
Ein weit verbreiteter Irrglaube: Nur Süddächer sind rentabel. Tatsächlich bieten Ost-West-Dächer oft sogar Vorteile.
Vorteile im Überblick:
✅ Höherer Eigenverbrauch: Strom über längeren Zeitraum verfügbar
✅ Bessere Netzstabilität: Gleichmäßige Erzeugung entlastet das Stromnetz
✅ Mehr Modulfläche nutzbar: Beide Dachseiten können belegt werden
✅ Kleinere Wechselrichter nötig: gleichmäßigere Leistungskurve
✅ Günstigere Erzeugungskosten pro kWh
Praxisbeispiel:
Ein Einfamilienhaus in Bayern mit 10 kWp PV-Anlage:
- Süd-Dach: 10.000 kWh/Jahr
- Ost-West-Dach: 9.100 kWh/Jahr
- Unterschied: 9 %
Bei einem Strompreis von 0,38 €/kWh ergibt das trotzdem eine jährliche Ersparnis von ca. 3.458 € (Süd) versus 3.240 € (Ost-West) – eine Differenz, die kaum ins Gewicht fällt.
Flachdächer – flexibel und optimal nutzbar
Ein Sonderfall sind Flachdächer. Hier ist die Ausrichtung frei wählbar, da Module aufgeständert werden.
Vorteile von Flachdach-Photovoltaik:
- Flexible Ausrichtung nach Süden oder Ost-West
- Optimale Modulneigung (10–15°)
- Keine Dachdurchdringung bei Ballastsystemen
- Ideal für Gewerbe oder Garagen
Eine Ost-West-Aufständerung ermöglicht doppelt so viele Module auf gleicher Fläche – weil sie dichter platziert werden können (geringere Verschattung).
Einfluss von Dachneigung und Verschattung
Neben der Himmelsrichtung spielt die Dachneigung eine zentrale Rolle.
Optimaler Neigungswinkel je Ausrichtung:
| Ausrichtung | Idealwinkel | Ertragsabweichung bei ±10° |
|---|---|---|
| Süd | 30–35° | <3 % |
| Ost / West | 20–30° | <5 % |
| Flachdach (Ost-West) | 10–15° | minimal |
| Nord | 30–35° | kaum relevant (zu wenig Sonne) |
Tipp: Bei zu steilen Dächern kann die Nutzung eines Montagesystems mit angepasstem Winkel helfen.
Verschattung vermeiden:
- Bäume, Kamine oder Gauben sollten keine Schatten auf Module werfen.
- Falls unvermeidbar: Optimierer (z. B. SolarEdge) oder Mikro-Wechselrichter einsetzen.
Wirtschaftlichkeitsberechnung: Ost-/West-Anlage vs. Süd-Anlage
Um die Wirtschaftlichkeit zu verdeutlichen, vergleichen wir zwei Anlagen.
| Merkmal | Süd-Dach | Ost-West-Dach |
|---|---|---|
| Anlagengröße | 10 kWp | 10 kWp |
| Investitionskosten | 15.000 € | 15.000 € |
| Jahresertrag | 10.000 kWh | 9.100 kWh |
| Eigenverbrauchsanteil | 30 % | 45 % |
| Strompreis | 0,38 €/kWh | 0,38 €/kWh |
| Einspeisevergütung | 0,08 €/kWh | 0,08 €/kWh |
| Jahresersparnis | 3.458 € | 3.240 € |
| Amortisation | 10,4 Jahre | 10,9 Jahre |
| Gesamtertrag (20 Jahre) | 31.000 € | 29.800 € |
Ergebnis: Nur 3–5 % Unterschied – bei höherem Eigenverbrauch sogar Vorteil für Ost-West-Systeme.
Wann lohnt sich eine Solaranlage nicht?
Eine PV-Anlage ist wirtschaftlich, wenn sie mindestens 700–800 kWh/kWp pro Jahr liefert.
Nicht lohnenswert kann sie sein, wenn:
- das Dach stark verschattet ist,
- Nordausrichtung mit steiler Neigung vorliegt,
- zu wenig Fläche für sinnvolle Leistung vorhanden ist (<3 kWp),
- oder bauliche Einschränkungen bestehen.
Tipp: Eine individuelle Ertragsanalyse durch Fachbetriebe zeigt schnell, ob sich Ihre Anlage rechnet.
Technische Lösungen für schwierige Dachlagen
Wenn Ihr Dach keine ideale Ausrichtung hat, können diese Maßnahmen helfen:
1. Leistungsoptimierer oder Mikro-Wechselrichter
Sie minimieren Leistungsverluste bei Teilverschattung oder unterschiedlichen Ausrichtungen.
2. Hochleistungsmodule
Premium-Module (z. B. Meyer Burger, REC, Qcells) liefern auch bei diffusem Licht hohe Erträge.
3. Aufständerungssysteme
Bei Flachdächern oder Schrägdächern mit Nordausrichtung kann durch leichte Neigungskorrektur der Ertrag deutlich verbessert werden.
4. Teilbelegung oder Carport-Anlagen
Wenn das Hauptdach ungünstig liegt, kann ein Solarcarport oder eine Nebendachlösung sinnvoll sein.
Förderung und steuerliche Vorteile – unabhängig von der Ausrichtung
Egal ob Süd-, Ost- oder Westdach: Die Förderungen gelten gleichermaßen.
Staatliche Vorteile (Stand 2025):
- 0 % Mehrwertsteuer auf PV-Anlagen und Speicher
- Einspeisevergütung laut EEG 2023 (zwischen 8,0 und 13,0 Cent/kWh)
- Steuerbefreiung bei Anlagen bis 30 kWp
- Regionale Speicherförderungen (z. B. NRW, Bayern)
Damit rechnet sich selbst eine Ost-West-Anlage oft schon nach 10–12 Jahren.
Praxisbeispiel: Ost-West-Anlage in Nordrhein-Westfalen
Ein Einfamilienhaus (Bj. 2002) mit 12 kWp PV-Anlage auf Ost-West-Dach:
- Anschaffungskosten: 19.800 €
- Speicher: 10 kWh (6.000 €)
- Jahresertrag: 10.900 kWh
- Eigenverbrauch: 55 %
- Einsparung: 4.000 €/Jahr
- Amortisation: 9,8 Jahre
Nach 20 Jahren: über 45.000 € Nettogewinn – trotz fehlender Südausrichtung.
Häufige Mythen rund um Solaranlagen ohne Süd-Dach
❌ „Nur Süddächer sind wirtschaftlich.“
➡️ Falsch. Ost-West-Anlagen erreichen 85–95 % des Ertrags.
❌ „Norddächer lohnen sich nie.“
➡️ Meist richtig, aber Ausnahmen bei flacher Neigung (z. B. Flachdach) möglich.
❌ „Ein Ost-West-Dach verdoppelt die Kosten.“
➡️ Falsch. Die Kosten bleiben meist identisch, manchmal sogar günstiger durch kleinere Wechselrichter.
❌ „Der Stromertrag bricht im Winter ein.“
➡️ Teilweise richtig – aber auch Süddächer haben im Winter niedrige Erträge. Speicher gleichen das aus.
Tipps zur Planung einer PV-Anlage ohne Süd-Dach
- Ertragsgutachten erstellen lassen – statt auf Schätzungen zu vertrauen.
- Module mit gutem Schwachlichtverhalten wählen.
- Eigenverbrauch erhöhen durch Speicher oder E-Auto.
- Wechselrichter optimal dimensionieren (nicht zu groß wählen).
- Beide Dachseiten nutzen, um gleichmäßig Energie zu erzeugen.
- Monitoring nutzen, um Leistung zu prüfen und zu optimieren.
Fazit: Eine Solaranlage lohnt sich auch ohne Süd-Dach
Die klare Antwort lautet: Ja, eine Solaranlage lohnt sich auch ohne Süd-Dach.
Dank moderner Technologie, günstiger Preise und verbesserter Förderungen sind heute fast alle Dachausrichtungen wirtschaftlich nutzbar. Ost-West- und Flachdachanlagen erzielen hervorragende Erträge, erhöhen den Eigenverbrauch und senken langfristig die Stromkosten erheblich.
Selbst wenn Ihr Dach nicht perfekt zur Sonne zeigt, produziert es über 25–30 Jahre hinweg sauberen, kostenlosen Strom – und macht Sie unabhängiger von steigenden Energiepreisen.
💡 Unser Tipp: Lassen Sie sich von einem Fachbetrieb ein individuelles Ertragsgutachten erstellen – Sie werden überrascht sein, wie lohnenswert Ihre Dachfläche sein kann.
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