Einführung: Warum die Ausrichtung nicht alles ist
Viele Hausbesitzer fragen sich, ob sich eine Photovoltaikanlage mit Ost-West-Ausrichtung überhaupt lohnt. Schließlich gilt die klassische Südausrichtung als Ideal, wenn es darum geht, möglichst viel Sonnenstrom zu erzeugen. Doch während Süddächer mittags die maximale Leistung liefern, bieten Ost-West-Anlagen über den Tag verteilt eine gleichmäßigere Stromproduktion – und das kann wirtschaftlich überraschend vorteilhaft sein.
Gerade in Zeiten steigender Strompreise und sinkender Einspeisevergütung rückt die Eigenverbrauchsoptimierung in den Fokus. Eine gleichmäßige Stromproduktion über den Tag verteilt bedeutet: Mehr selbst verbrauchen, weniger einspeisen – und damit die Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage steigern.
In diesem Beitrag erfährst du detailliert, wie sich die Wirtschaftlichkeit bei Ost-West-Ausrichtung berechnet, welche Kostenunterschiede es zur Südausrichtung gibt, welche technischen Lösungen die Effizienz steigern und warum diese Variante besonders für Eigenheimbesitzer attraktiv ist.
1. Grundlagen: Was bedeutet Ost-West-Ausrichtung bei Photovoltaikanlagen?
Bei einer Ost-West-Ausrichtung werden die Solarmodule so montiert, dass sie sowohl nach Osten als auch nach Westen zeigen – meist auf einem Satteldach mit zwei gleich großen Dachflächen.
Statt die Sonne nur mittags optimal zu nutzen (wie bei Südausrichtung), erfasst die Anlage hier morgens und nachmittags besonders viel Licht. Der Energieertrag verteilt sich gleichmäßiger über den Tag, was für den Eigenverbrauch von Vorteil ist.
Typische Merkmale:
- Module auf beiden Dachseiten installiert
- Morgens hohe Erträge durch Ostmodule
- Nachmittags hohe Erträge durch Westmodule
- Mittags etwas geringere Spitzenleistung
- Ideal für Dächer mit 15–45° Neigung
Diese Ausrichtung ist besonders beliebt bei Einfamilienhäusern, Reihenhäusern und Neubauten, deren Dachflächen symmetrisch verlaufen.
2. Ertragsunterschiede zwischen Ost-West- und Südausrichtung
Die größte Sorge vieler Interessenten: Weniger Sonne = weniger Strom = geringere Rentabilität.
Aber wie groß ist der Unterschied wirklich?
| Ausrichtung | Durchschnittlicher Ertrag (kWh/kWp pro Jahr) | Unterschied zur Südausrichtung |
|---|---|---|
| Süd (30° Neigung) | ca. 1.050–1.100 kWh/kWp | 0 % |
| Südost / Südwest (30°) | ca. 980–1.030 kWh/kWp | -5 % |
| Ost-West (30°) | ca. 900–980 kWh/kWp | -10 % |
| Ost-West (15° Neigung) | ca. 950–1.000 kWh/kWp | -5 % |
| Nordost / Nordwest | ca. 750–850 kWh/kWp | -20 % |
Fazit:
Eine Ost-West-Ausrichtung liefert nur etwa 5–10 % weniger Strom als eine Südanlage – dafür jedoch über den Tag verteilt und mit besserem Eigenverbrauchspotenzial.
3. Wirtschaftlichkeit bei Ost-West-Ausrichtung: Warum sie oft unterschätzt wird
Die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage hängt nicht nur vom Ertrag ab, sondern auch davon, wie viel des erzeugten Stroms selbst verbraucht wird.
Während Südanlagen mittags eine hohe Leistungsspitze erreichen (oft über dem Eigenbedarf), erzeugen Ost-West-Anlagen morgens und abends, wenn viele Haushaltsgeräte laufen, mehr Energie.
Das bedeutet:
- Höhere Eigenverbrauchsquote
- Geringere Einspeisung (weniger Abhängigkeit von niedriger Einspeisevergütung)
- Bessere Nutzung des erzeugten Stroms
➡️ Ergebnis: Ost-West-Anlagen können trotz geringerer Erträge gleiche oder sogar höhere Renditen erzielen.
4. Beispielrechnung: Wirtschaftlichkeit einer Ost-West-Anlage im Vergleich
Vergleichsannahmen
- Anlagengröße: 10 kWp
- Strompreis: 0,32 €/kWh
- Einspeisevergütung: 8,1 ct/kWh
- Eigenverbrauch:
- Süd: 30 %
- Ost-West: 45 %
- Investitionskosten:
- Süd: 13.000 €
- Ost-West: 13.500 €
| Parameter | Südausrichtung | Ost-West-Ausrichtung |
|---|---|---|
| Jahresertrag | 10.500 kWh | 9.800 kWh |
| Eigenverbrauch | 3.150 kWh | 4.410 kWh |
| Einspeisung | 7.350 kWh | 5.390 kWh |
| Einsparung (0,32 €/kWh) | 1.008 € | 1.411 € |
| Vergütung (8,1 ct/kWh) | 595 € | 436 € |
| Gesamtertrag pro Jahr | 1.603 € | 1.847 € |
| Amortisation | 8,1 Jahre | 7,3 Jahre |
Ergebnis:
Trotz geringerer Gesamterzeugung hat die Ost-West-Anlage die bessere Amortisation – dank höherem Eigenverbrauch und gleichmäßigerer Stromproduktion.
5. Einfluss der Dachneigung auf die Wirtschaftlichkeit
Die Dachneigung spielt bei Ost-West-Systemen eine zentrale Rolle.
Während Südanlagen bei etwa 30–35° optimal arbeiten, erzielen Ost-West-Systeme ihren besten Wirkungsgrad bei flacheren Neigungen.
| Dachneigung | Ertrag bei Südausrichtung | Ertrag bei Ost-West-Ausrichtung |
|---|---|---|
| 10–15° | 98 % | 100 % |
| 20–25° | 100 % | 98 % |
| 30–35° | 100 % | 95 % |
| 40–45° | 95 % | 90 % |
Fazit:
Je flacher das Dach, desto geringer sind die Verluste einer Ost-West-Anlage. Auf Flachdächern ist diese Ausrichtung sogar oft die effizienteste Lösung, da sie doppelt so viele Module aufnehmen kann.
6. Technische Besonderheiten und Kostenfaktoren
Eine Ost-West-Montage erfordert oft leicht angepasste Systeme, die beide Dachseiten optimal nutzen.
6.1 Montagekosten
Da zwei Dachflächen belegt werden, verlängert sich der Montageaufwand leicht:
➡️ Mehrkosten: ca. 300–800 € gegenüber einer reinen Südanlage
6.2 Verkabelung und Wechselrichter
- Längere Kabelführungen
- Oft zwei MPP-Tracker nötig (für Ost- und Westseite getrennt)
- Manchmal zwei kleine Wechselrichter statt einem großen
➡️ Mehrkosten: ca. 200–400 €
6.3 Flachdach-Systeme
Bei Flachdächern sind Aufständerungen in Ost-West-Richtung sehr beliebt:
- Module werden flach aufgestellt (10–15°)
- Kein Schattenwurf zwischen den Reihen
- Hohe Flächenausnutzung (bis zu 40 % mehr Module möglich)
➡️ Mehrkosten durch Aufständerung: ca. 100–200 € pro kWp
7. Vorteile einer Ost-West-Ausrichtung
✅ Gleichmäßige Stromproduktion
Morgens (Ost) und abends (West) liefert die Anlage Strom – ideal für typische Verbrauchszeiten im Haushalt.
✅ Höherer Eigenverbrauch
Da Strom genau dann erzeugt wird, wenn er gebraucht wird, steigt der Eigenverbrauch auf 40–50 % ohne Speicher.
✅ Geringere Netzbelastung
Weniger Einspeisespitzen, gleichmäßigere Netzeinspeisung – positiv für Netzstabilität.
✅ Bessere Flächenausnutzung
Gerade auf Flachdächern kann fast doppelt so viel PV-Leistung installiert werden.
✅ Wirtschaftlich attraktiv bei Eigenverbrauch
Die Einnahmen durch Stromeinsparung sind mittlerweile wichtiger als Einspeiseerlöse – und genau hier punktet Ost-West-Ausrichtung.
8. Nachteile und Grenzen
Natürlich gibt es auch Einschränkungen:
❌ Geringerer Gesamtjahresertrag
Im Vergleich zur Südausrichtung etwa 5–10 % weniger Stromerzeugung.
❌ Etwas höhere Investitionskosten
Durch doppelte Montageflächen und längere Kabelwege.
❌ Geringere Leistungsspitzen
Mittags keine maximale Stromproduktion – relevant nur bei hoher Volleinspeisung.
❌ Komplexere Planung
Zwei Dachseiten erfordern genaue Ertragsberechnungen und passende Wechselrichter.
Fazit: Diese Nachteile sind überschaubar – vor allem, wenn der Strom hauptsächlich selbst genutzt wird.
9. Ost-West-Anlage mit Stromspeicher – die perfekte Kombination
Die Kombination aus Ost-West-Ausrichtung und Batteriespeicher erhöht die Wirtschaftlichkeit deutlich.
Warum?
- Morgens und abends produzierte Energie kann direkt genutzt oder gespeichert werden.
- Mittags (wenn wenig Strombedarf herrscht) sind die Erträge moderat – weniger Überschussstrom.
- Der Speicher gleicht Tag-Nacht-Schwankungen aus.
Beispiel: 10 kWp Ost-West-Anlage + 10 kWh Speicher
| Parameter | Ohne Speicher | Mit Speicher |
|---|---|---|
| Eigenverbrauch | 45 % | 75 % |
| Netzbezug | 55 % | 25 % |
| Stromkostenersparnis pro Jahr | 1.400 € | 2.300 € |
| Amortisation | 7,3 Jahre | 8,2 Jahre (inkl. Speicher) |
➡️ Der Speicher verlängert die Amortisationszeit leicht, steigert aber Langzeitnutzen und Autarkiegrad.
10. Ost-West-Ausrichtung auf Flachdächern
Flachdächer bieten ideale Bedingungen für Ost-West-Systeme.
Statt einer teuren Südaufständerung mit großem Schattenabstand können die Module flach und dicht nebeneinander installiert werden.
Vorteile auf Flachdächern:
- Bis zu 40 % mehr Modulfläche nutzbar
- Keine Eigenverschattung
- Bessere Statik durch gleichmäßige Gewichtsverteilung
- Sehr gute Hinterlüftung
➡️ Kosten pro kWp: ca. 1.400–1.700 €
➡️ Ertrag: 950–1.050 kWh/kWp
Damit sind Flachdach-Ost-West-Anlagen eine der kosteneffizientesten Lösungen im PV-Bereich.
11. Wirtschaftlichkeitsvergleich verschiedener Dachausrichtungen
| Dachausrichtung | Investition (10 kWp) | Ertrag (kWh/Jahr) | Eigenverbrauch | Gesamtertrag/Jahr | Amortisation |
|---|---|---|---|---|---|
| Süd | 13.000 € | 10.500 | 30 % | 1.603 € | 8,1 Jahre |
| Südost | 13.000 € | 10.000 | 35 % | 1.725 € | 7,9 Jahre |
| Ost-West | 13.500 € | 9.800 | 45 % | 1.847 € | 7,3 Jahre |
| Nordost | 13.000 € | 8.000 | 30 % | 1.280 € | 10,1 Jahre |
Ergebnis:
Ost-West-Anlagen bieten das beste Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen, sofern der erzeugte Strom überwiegend selbst genutzt wird.
12. Optimierung der Ost-West-Wirtschaftlichkeit
✅ Intelligente Steuerung
Smart-Home-Systeme oder Energiemanagementlösungen verteilen den Strom optimal – z. B. zum Laden eines E-Autos, wenn Sonne scheint.
✅ Lastverschiebung
Waschmaschine, Geschirrspüler oder Wärmepumpe laufen dann, wenn Strom produziert wird.
✅ Speicherintegration
Erhöht den Eigenverbrauch auf bis zu 80 %.
✅ Netzdienliche Auslegung
Ost-West-Anlagen speisen gleichmäßig ein und vermeiden Überlastungen – in Zukunft könnten Netzbetreiber solche Systeme bevorzugt fördern.
13. Förderungen und steuerliche Vorteile
Die Wirtschaftlichkeit verbessert sich zusätzlich durch Förderungen:
- 0 % Mehrwertsteuer für Anlagen bis 30 kWp (seit 2023)
- KfW-Förderung 270 (zinsgünstige Kredite)
- EEG-Vergütung (8,1–8,6 ct/kWh je nach Anlagengröße)
- Abschreibungsmöglichkeiten für gewerbliche Anlagen
Damit sinken die Investitionskosten und verkürzen die Amortisationszeiten erheblich.
14. Ökologische Vorteile
Ost-West-Anlagen leisten nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch einen wichtigen Beitrag:
- Gleichmäßige Netzeinspeisung stabilisiert Stromnetze
- Mehr Eigenverbrauch reduziert Strombezug aus fossilen Quellen
- Über 25 Jahre Betriebszeit werden pro kWp ca. 25–30 Tonnen CO₂ eingespart
15. Für wen lohnt sich die Ost-West-Ausrichtung besonders?
✅ Einfamilienhäuser mit Doppeldach
Ideal für symmetrische Dächer – keine Dachseite bleibt ungenutzt.
✅ Flachdächer
Maximale Moduldichte, hohe Eigenverbrauchsquote.
✅ Haushalte mit hohem Tagesverbrauch
Familien, Homeoffice, Wärmepumpen, E-Autos profitieren am meisten.
✅ Unternehmen mit Dauerbetrieb
Gleichmäßige Stromproduktion deckt Grundlast zuverlässig ab.
16. Zukunftsperspektive: Ost-West-Systeme als Standard
Mit der zunehmenden Dezentralisierung der Energieversorgung und der Fokussierung auf Eigenverbrauch statt Volleinspeisung wird die Ost-West-Ausrichtung immer relevanter.
Neue Montagesysteme, bifaziale Module und günstige Speichertechnologien machen diese Lösung künftig noch attraktiver – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch technisch.
Fazit: Ost-West-Ausrichtung – wirtschaftlich, effizient und zukunftsfähig
Die Wirtschaftlichkeit bei Ost-West-Ausrichtung ist besser, als viele denken.
Auch wenn die Erträge leicht geringer sind als bei Südanlagen, gleichen sich diese Unterschiede durch höheren Eigenverbrauch, geringere Netzeinspeisung und stabile Erträge über den Tag aus.
Gerade bei steigenden Strompreisen und sinkenden Einspeisevergütungen zählt nicht mehr allein die Kilowattstunde – sondern wann und wie effizient sie genutzt wird.
Kurz gesagt:
Eine Photovoltaikanlage mit Ost-West-Ausrichtung ist keine Kompromisslösung – sie ist die wirtschaftlich und energetisch clevere Wahl für alle, die ihren Stromverbrauch optimal mit der Sonne synchronisieren wollen.
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